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5 Fragen an Ranga Yogeshwar

11.11.2011 VDVinformiert vor 6 Jahr(en)


Anlässlich der Verleihung des GOLDENEN LOTES 2011 an Dr. Ing. E.h. Ranga Yogeshwar hat Gregor Janssen (VDEI) nachfolgendes Interview geführt:

 

Herr Dr. Yogeshwar, der Fachkräftemangel in Deutschland hat zu einem großen Anteil seinen Grund im fehlenden naturwissenschaftlichen Nachwuchs. Welche Empfehlungen haben Sie, um junge Menschen für den Ingenieurberuf zu begeistern?

Wir könnten sehr viel früher mit naturwissenschaftlichen Themen und Experimenten in den Schulen bei jungen Menschen eine stärkere Begeisterung für naturwissenschaftliche Themen wecken. Hierzu zählen zum Beispiel Experimente im Unterricht oder die Teilnahme an der Ideen-Expo in Hannover. Außerdem müssen wir den Stellenwert der Naturwissenschaft und der für sie tätigen Ingenieure in unserer Gesellschaft höher ansiedeln und Ingenieur-wissenschaftliche Leistungen zum Beispiel durch Science-Center oder Wissenschaftsmuseen mehr in die Öffentlichkeit  tragen. Komiker kennt jeder – wer kennt Ingenieure?

 

Als Wissenschaftsredakteur moderieren Sie zahlreiche naturwissenschaftliche Sendungen in Funk und Fernsehen. Begeistern Sie damit viele Schüler so, dass die Technik ihr mögliches Berufsziel wird?

Offensichtlich ja - ablesbar an Menschen, die ich  in Versuchsanlagen oder Labors treffe und die mir voller Stolz sagen: Durch Ihre Sendungen habe ich Interesse an Physik oder  Maschinenbau gefunden und das Studium begonnen. Das macht mich immer sehr froh.

 

Herr Dr. Yogeshwar, Sie engagieren sich in nationalen und internationalen Projekten im Bereich Bildung und Wissensvermittlung. Brauchen wir in Deutschland mehr technisch orientierte Lehrpläne?

Was wir brauchen sind naturwissenschaftlich ausgebildete Lehrer. Es gibt viel zu wenig Angebote in naturwissenschaftlichen Fächern und die wenigen naturwissenschaftlichen Lehrkräfte sind überfordert. Die Erfüllung des  Lehrplans lässt es nicht zu kreativ zu werden und z.B. zusätzliche Projektarbeit zu betreiben.

 

Sind die technischen Herausforderungen in unserer Zeit zu sehr von ökonomischen Belangen und Verwaltungsaufgaben überlagert?

Wir leben in einer Zeit in der wir begreifen müssen, dass ökonomischer Erfolg nicht alles ist. Kreativer Geist ist oft zäh. Manche Ideen brauchen Zeit  bis sich der wirtschaftliche Erfolg einstellt. W. von Siemens hat auch nicht gleich Geld verdient!
Auch wenn die Globalisierung  zu einer besseren Vergleichbarkeit geführt hat, dürfen wir nicht alles schlecht reden. Viele mittelständische Firmen haben ihre Kreativität und Leistungsfähigkeit international bewiesen. Das gilt es zu fördern und zu zelebrieren!

 

Wie denken Sie über die Bologna-Reform mit den Studienabschlüssen Bachelor und Master sowie den Wegfall des akademischen Grades Dipl.-Ing.?

Ich bin ein Verfechter der Studienabschlüsse Bachelor und Master. Die Welt steht jungen Menschen in ihrer ganzen Globalität offen. Um dies zu nutzen brauchen wir international anerkannte Studien-Abschlüsse. Der Bologna-Prozess bietet dem Studenten die Flexibilität sein Studium mit Bologna zu beenden oder den Master aufzusatteln egal an welchem Studienort.
Der Dipl.-Ing. war und ist ein wertvoller Titel. Aber heute sind weniger die Titel als der Ruf der jeweiligen Hochschule  an der er erworben wurde, für das Berufsleben nicht nur bedeutsam, sondern entscheidend! 

Vielen Dank Herr Dr. Yogeshwar