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Der Geomatiker in Sachsen-Anhalt – Am Anfang gleich am Ende?!

17.10.2010 VDVinformiert Von Burkhard Kreuter vor 7 Jahr(en)


Am Jahresanfang war es nur ein Gerücht jetzt ist es traurige Wahrheit. Der öffentliche Dienst in Sachsen-Anhalt bildet im Ausbildungsjahrgang 2010 weder Vermessungstechniker noch Geomatiker aus. Dies wäre kaum einer Meldung wert, wenn der öffentliche Dienst in Sachsen-Anhalt bisher nicht mehr als die Hälfte der Auszubildenden eines Jahrgangs stellte. Als Resultat einer verfehlten Sparpolitik nach der „nicht mehr über Bedarf“ ausgebildet werden soll, sind einem durchaus ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen öffentlichem Dienst die Hände gebunden.

 

Was sind nun die Folgen?

 

Die Schülerzahlen in den Berufsfachklassen werden nun deutlich kleiner. Glücklicherweise gibt es noch immer einige Ingenieurbüros und Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure die auch 2010 ausbilden, obwohl der öffentliche Dienst gezwungener Maßen mit schlechtem Beispiel vorangehen muss und sich 2010 komplett aus der Ausbildung zurückzieht.

 

Die am 04.06.2010 veröffentlichte Verordnung über die Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie sieht im ersten Ausbildungsjahr eine gemeinsame Beschulung für Vermessungstechniker und Geomatiker in einer Mischklasse vor. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr muss jedoch für jede Fachrichtung eine Berufsfachklasse eingerichtet werden. Dieses führt nun dazu, dass die ohnehin schon kleinen Berufsfachklassen noch kleiner werden und eine entsprechende Beschulung aus personellen und organisatorischen Gründen der Berufschulen nicht mehr realisierbar sein soll.

Aktuell: Seit dem 01.08.2010 haben drei Auszubildenden des nun 2. Ausbildungsjahres in Absprache mit ihren Ausbildungsstätten, von der in der Berufsordnung beschriebenen Möglichkeit gebrauch gemacht, zum neuen Ausbildungsberuf „Geomatiker“ zu wechseln. Dieser Mut wird nun damit belohnt, dass bisher nicht feststeht, welche Berufschule, in welchem Bundesland diesen angehenden Geomatikern die entsprechenden Lehrinhalte vermittelt.

Da viele der privaten Ingenieurbüros aus nachvollziehbaren Gründen, die ich hier nicht näher ausführen möchte am Ausbildungsberuf Vermessungstechniker festhalten versinkt der gerade „neu aus der Taufe“ gehobenen Beruf Geomatiker sang und klanglos - bezüglich der erforderlichen Mindestschülerzahlen für eine Berufsfachklasse – in die Bedeutungslosigkeit. Die schlimmste Folge wäre nun, dass die Berufsfachklassen wegen schlechter (selbst gemachter!) Beteiligung ganz aus Sachsen-Anhalt verbannt werden. Erste Gerüchte machen schon die Runde! Welche Folgen dass für die ohnehin geringen Ausbildungsplatzangebote für Vermessungstechniker und Geomatiker hat kann man sich leicht vorstellen.

 

Jeder der schon einmal selbst Ausbilder war, weiß, dass man immer „auf dem Laufenden“ bleiben muss. Sollte nach einigen Jahren – hoffentlich noch rechtzeitig – im öffentlichen Dienst in Sachsen-Anhalt wieder ausgebildet werden, wird es schwierig sein die dann stillgelegten Ausbildungsstrukturen zu reaktivieren und vor allen Dingen den Neuerungen anzupassen.

 

Eine weitere Neuerung: Aufgrund der neuen Berufsordnung wurde die Zuständigkeit der Überwachung und Beratung der Ausbildungsstätten neu geordnet. Demnach sind Auszubildende Vermessungstechniker und Geomatiker die in der gewerblichen Wirtschaft ausgebildet werden von der Industrie und Handelskammer (IHK Halle/Dessau und IHK Magdeburg) zu betreuen. Soweit die Ausbildung im Bereich des öffentlichen Dienstes stattfindet bleibt alles bei der bisherigen Regelung. So werden nun aus einer zuständigen Stelle zwei/drei. Dieses wirft weitere Fragen auf: Die unterschiedlichen zuständigen Stellen können zwar jeweils Vermessungstechniker und Geomatiker betreuen, doch wer stellt den Prüfungsausschuss? Ist von jeder zuständigen Stelle ein Prüfungsausschuss vorzuhalten? Muss für jede Fachrichtung ein Prüfungsausschuss eingerichtet werden? Kann der Vermessungstechniker-Prüfungsausschuss auch eine Prüfung für Geomatiker erstellen? Wohl kaum aus dem Stehgreif. Also müssten beide Stellen jeweils einen Prüfungsausschuss für jede Fachrichtung unterhalten. Es ist zu klären welche Möglichkeiten bestehen, um diese Doppelstrukturen zu vermeiden und ein gleiches Prüfungsniveau zu erzielen.

 

Mit Recht werden sie sich fragen warum der VDV  Landesverband Sachsen-Anhalt sich hier einbringt. Es geht hier ausdrücklich nicht darum eine Ausbildungsrichtung der anderen vorzuziehen. Auch wage ich es nicht zu behaupten welcher der beiden Berufe mehr Zukunft hat. Wie viele der Ingenieure im VDV, habe auch ich eine Berufsausbildung zum Vermessungstechniker abgeschlossen. Damals wie heute haben ca. 50% der Erstsemester zuvor eine Berufsbildung zum Vermessungstechniker durchlaufen und sind während ihrer Ausbildung für ein Studium in dieser Fachrichtung sensibilisiert worden und konnten ihr in der Ausbildung erlangtes Wissen zum Start in ihr Studium gut nutzen.

 

In einer Pressemeldung vom 15.09.2010 gibt die Landesrektorenkonfererenz bekannt, dass die Hochschulen in Sachsen-Anhalt nicht zum Dipl.-Ing. zurückkehren werden. (Quelle: www.lrk-lsa.de) Eine andere Diskussion. Also wird das Alte nicht erhalten und das Neue hat in Sachsen-Anhalt nicht einmal die Chance Wurzeln zu schlagen, da diese ohne groß nachzudenken gleich gekappt werden!

 

Achim Dombert

Landesvorsitzender

VDV - Landesverband Sachsen-Anhalt