zum Content

Dr. h.c. Helmuth Becker gestorben

24.05.2011 VDVinformiert vor 6 Jahr(en)


Dr. h.c. Helmuth Becker

Der ehemalige Präsident des Zentralverbandes der Ingenieurvereine (ZBI), Bundestagsvizepräsident a.D. Dr. h.c. Helmuth Becker (SPD) ist tot. Er verstarb am Freitag, 20. Mai 2011, im Alter von 81 Jahren in seiner Heimatstadt Münster. Helmuth Becker galt als besonnener, aber effektiver Parlamentarier, der dem realpolitischen Flügel der SPD zugerechnet wurde und war ein über alle Parteigrenzen hinweg geschätzter Politiker. Ausgleich, Kompromissbereitschaft, Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und die Gabe des Zuhörens zeichneten ihn aus. In der Ära von Bundeskanzler Helmut Schmidt besaß die SPD tatsächlich keinen besseren Vertrauensmann zu Gewerkschaften, Vereinen, Verbänden und zu den Kirchen als Helmuth Becker. Gradlinig, offen, verlässlich und vor allem ein Meister des Pragmatismus in vielen Ausschüssen und Gremien, so kennzeichneten außerdem zahlreiche Bonner Mitstreiter den Verstorbenen. Helmuth Becker, von 1969 bis 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages, viele Jahre Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, von 1980 bis 1982 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundespostministerium und zuletzt, von 1990 bis 1994, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, kam über die Gewerkschaftsbewegung in die Politik.

 

Helmuth Becker war ein postalisches Urgestein: Schon 1948 war der 1929 in Münster geborene Diplomingenieur und Sohn eines Bergmannes der Postgewerkschaft beigetreten und gehörte bereits in jungen Jahren dem Hauptpersonalrat der Bundespost an. Aber erst vergleichsweise spät zog es ihn in die Politik. 1964 trat er in die SPD ein, wurde Mitglied im Landes- und Parteivorstand. 1969 wurde er erstmals in den Bundestag gewählt. Der Mann von "münsterländischer Gemütsruhe", wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal schrieb, stieg in der SPD-Fraktion rasch auf und war viele Jahre die rechte Hand Herbert Wehners.

 

Aber auch in den Jahren nach dem Ende seiner parlamentarischen Karriere ruhte Becker nicht. Es war von 1995 bis 2000 Präsident der "Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlamentes". Im Jahre 2003 ehrte die Republik Polen ihn für seine verdienstvolle Arbeit im Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Zuvor wurde Becker schon von der Technischen Universität Wroclaw mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde geehrt. Im Januar 2010 wurde Becker mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

 

Von 1995 bis 1999 war Helmuth Becker Präsident des Zentralverbandes der Ingenieurvereine (ZBI) und daran anschließend Vorsitzender des ZBI-Beirates, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Helmuth Becker hat den ZBI maßgeblich geprägt und die Ingenieure gelehrt, ihre legendäre Sprachlosigkeit zu überwinden, den Dialog mit den Verantwortlichen zu führen und Beistand für ihre Probleme bei der Politik einzufordern.

 

Nicht nur die Ingenieure haben Dr. Helmuth Becker viel zu verdanken. Wir werden ihn nicht vergessen.

 

Wilfried Grunau

Präsident des VDV und Vizepräsident des ZBI