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Einführung des öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs in Bayern

21.11.2011 VDVinformiert Von Oliver Schmechtig vor 6 Jahr(en)


Im Rahmen der INTERGEO 2011 in Nürnberg haben die drei Verbände IGVB, VBI und VDV am 29.09.2011 zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Die Einladung war insbesondere an die Vermessungsingenieure gerichtet, die nicht in der bayerischen Vermessungsverwaltung beschäftigt sind. Rund 100 Vermessungsingenieuren konnte so das Konzept zur Einführung des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs für das Liegenschaftswesen (ÖbVI) vorgestellt werden. Die Moderation der Veranstaltung wurde von Ing. grad. Gert Karner übernommen, der durch langjähriges berufständisches Engagement tief in diesem Thema verankert ist.

Das Grußwort zu der Veranstaltung hielt Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Dr. Schroeter betont die Bedeutung des Vermessungsingenieurs für alle Kollegen am Bau. Die Begriffe Geometrie, Überwachung, Monitoring und Geoinformation belegen die Entwicklung des Vermessungsingenieurs weit über den landläufig bekannten Landvermesser hinaus. Als Freiberufler erklärte Dr. Schroeter sein Verständnis für die Forderung zur Beleihung des Vermessungsingenieurs mit hoheitlichen Aufgaben als ÖbVI, wie dies bereits bundesweit umgesetzt ist. Einzig in Bayern sind die hoheitliche Aufgaben ausschließlich einer Staatsbehörde vorbehalten. Dr. Schroeter führte auch das sehr gut funktionierende Beispiel des Prüfingenieurs für Standsicherheit als erfolgreiches Modell für eine Beleihung des freien Berufes für hoheitliche Aufgaben an. Die Bedenken der bayerischen Vermessungsverwaltung sollten in gemeinsamen Gesprächen gewürdigt werden. Präsident Dr. Schroeter bietet die Mitwirkung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau als Moderator für diese Gespräche und für die Ausarbeitung von Kompromissen an.

Dipl. Ing. Michael Zurhorst, Präsident des BDVI – Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure -, hielt anschließend einen Impulsvortrag für die Einführung des ÖbVI in Bayern. Es geht um die sachgerechte Aufstellung der Katastervermessung in ganz Deutschland, die Stellung des freien Berufes in ganz Europa und die Attraktivität des Berufes für den Nachwuchs. Das Subsidiaritätsprinzip als erklärtes politisches Richtziel in Deutschland sieht vor, dass der Staat nur Aufgaben übernehmen soll, die von „Privaten“ nicht erbracht werden können. Der BDVI bietet seine Unterstützung an, um in konstruktiven internen Dialogen mit der bayerischen Vermessungsverwaltung das Ziel der einvernehmlichen Einführung des ÖbVI in Bayern zu erreichen. Das derzeitige Abwehrverhalten der bayerischen Vermessungsverwaltung ist für Zurhorst verständlich und systemimmanent aus der Stellung im Staat heraus. Er betont, dass es keine Kampagne zur Abschaffung der bayerischen Vermessungsverwaltung gäbe, sondern es soll gemeinsam ein Weg zur Mitwirkung des Freien Berufes bei einer Staatsaufgabe gefunden werden.

Als großen Vorteil sieht der BDVI die Flexibilität der mittelständischen Privatwirtschaft, die sehr viel schneller auf Krisen und Umstellungen in der modernen Wirtschaftsgesellschaft reagieren kann als eine staatliche Einrichtung. Der BDVI widerspricht auch der verbreiteten Meinung, dass die Privatwirtschaft nur die lukrativen Landesteile bedienen würde. Eine Unterversorgung mit beliehenen Berufen kann in keinem Gebiet in Deutschland festgestellt werden. Zurhorst vergleicht einen ÖbVI mit einem Notar, der eine höhere Anerkennung in der Gesellschaft hat als ein Anwalt. Dies gilt auch für einen ÖbVI, wodurch diese Stellung zu einem Qualitätssiegel bei der Durchführung von Vermessungsarbeiten gesehen werden kann. Während die Ingenieurvermessung oft als Hilfstätigkeit am Bau betrachtet wird, kann über die Stellung als ÖbVI mehr Ansehen in der Gesellschaft erreicht werden und neue Tätigkeitsfelder werden dem Berufsstand erschlossen. Die Einführung des ÖbVI in Bayern wird auch dazu beitragen, mehr Studenten für die Geodäsie zu gewinnen. Außerdem ist die Mitwirkung des Freien Berufes in der Katastervermessung für die Einheitlichkeit des Berufsbildes auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene immens wichtig.

Die Einführung des ÖbVI wird es für die Vermessungsingenieure in Bayern nicht zum Nulltarif geben, sondern es werden Qualifikationen durch Weiterbildungen durchgeführt werden müssen. Bei der Einführung des ÖbVI in Bayern könnten alle bayerischen Vermessungsingenieure mit den entsprechenden Voraussetzungen daran Teilnehmen. Der BDVI bietet hier Hilfestellung aus seiner Erfahrung bei der Einführung des ÖbVI in den neuen Bundesländern an.

Am Ende zitiert Zurhorst aus dem Grußwort von Prof, Dr.-Ing. Thomas Wunderlich, dem Ordinarius für Geodäsie an der TU München: „Es stünde dem Freistaat Bayern vortrefflich an, wenn Politik, Verwaltung und Freier Beruf nun den Schulterschluss machten, um gemeinsam den Weg zur Etablierung der öffentlichen Bestellung von Vermessungsingenieuren zu bereiten. Richten wir den Blick auf das Gemeinsame und nach vorne.“

 

Dipl.-Ing. Thomas Fernkorn, Präsident des IGVB, stellt das Positionspapier, erarbeitet von der Troika aus IBVB, VDV und VBI in Bayern vor. In dem Positionspapier wird ein Weg aufgezeigt, wie eine Bestellung zum ÖbVI für alle interessierten Vermessungsingenieure in Bayern möglich ist, auch wenn sie die üblichen Voraussetzungen (2. Staatsexamen oder mehrjährige Verwaltungserfahrung) nicht erfüllen. Die Botschaft ist dabei, dass alle Vermessungsingenieure, und zwar unabhängig von (Fach)Hochschul- oder Universitätsabschluss daran teilnehmen können.Nach Vorstellung der Verbände soll der interessierte Personenkreis in einer Übergangszeit durch entsprechende Weiterbildung die Möglichkeit zur Qualifikation zum ÖbVI erlangen können. Das Positionspapier belegt, dass der Freie Beruf mit diesem Konzept zur Einführung des ÖbVI in Bayern gerüstet ist.

Dipl. Ing. Frank Pöhlmann, Landesvorsitzender des VDV, zeigte in seinem Vortrag die Historie für die Einführung des ÖbVI in Bayern auf. Bereits von 29 Jahren postulierte eine von der bayerischen Staatsregierung beauftragte Kommission zur Verwaltungsvereinfachung die Einführung des ÖbVI in Bayern als langfristig notwendiges Ziel. Nach Pöhlmann sind 29 Jahre langfristig genug und er fordert, dass einer baldigen Einführung des ÖbVI in Bayern nichts mehr im Wege stehen sollte.

Mit einem Hinweis auf die Empfehlung der „Henslerkommision“ von 2004 und dem damaligen Ministerratsbeschluss zur Einführung des ÖbVI in Bayern eröffnete Gert Karner die Schlussdiskussion. Diese Möglichkeit wurden von vielen Anwesenden für Statements und Fragen genutzt.

Bei der Abstimmung am Ende der Veranstaltung durch Handzeichen gab es von allen Anwesenden den einstimmigen Beschluss und den Auftrag an die Verbände die Einführung des ÖbVI in Bayern mit Nachdruck zu betreiben.

Allen Vermessungsingenieuren wurde empfohlen, das Thema zur Einführung des ÖbVI in Bayern im Kollegenkreis und zur Politik weiter zu tragen.