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Eratosthenes-Preis für Rudolf Hafeneder

22.02.2010 VDVinformiert vor 7 Jahr(en)


Kuratoriumsvorsitzender Prof. Bertold Witte, Präsident Prof. Harald Lucht, Eratosthenes-Preisträger Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder und Vorsitzender Ingo von Stillfried (v.l.)

Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum hat heute (22. Februar) den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis an Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn verliehen. Der Preis wird alle zwei Jahre für hervorragende geschichtliche Forschungen im Vermessungswesen ausgelobt. Er wird in Erinnerung an den griechischen Wissenschaftler Eratosthenes (275 194 v. Chr.) verliehen, der um 200 v. Chr. erstmals die Figur der Erde als Kugel vermessen hat.

Die Verleihung erfolgte im Rahmen der Mitgliederversammlung des Förderkreises. Sie fand in der gut besuchten Rotunde des Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte statt, in dem u.a. auch die Schausammlung des Förderkreises eingerichtet ist.

Eröffnet wurde die Mitgliederversammlung dann auch durch einen Vortrag von Rudolf Hafeneder. Er referierte über seine prämierte Dissertation Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919", die er an der Universität der Bundeswehr in München ablegte. Kern der Arbeit ist die Erforschung des seinerzeitigen Informationsbedarfes und die in den Kolonien eingesetzten Kräfte und Mittel für die Aufnahme eines Gebiets von tatsächlich der fünffachen Größe des damaligen Deutschen Reiches. So untersuchte er unter anderem die geodätisch interessante Frage, wie Deutschland seine ausländischen Gebiete für die Bestimmung der Erdfigur im Rahmen der Internationalen Erdmessung genutzt hat.

Ein herausragendes Charakteristikum der deutschen Kolonialkartographie war die Vielzahl der Privatinitiativen von Missionaren, Kaufleuten, Offizieren, Farmern, Landmessern und Forschern. Beteiligt waren auch etliche heute noch bekannte Firmen wie Reimer in Berlin, Bertelsmann in Gütersloh oder Westermann in Braunschweig.

Die Kartenoriginale entstanden seinerzeit meist als Kupferstich oder auch als Steingravur. Im Anlagenband der Doktorarbeit werden zahlreiche Ausschnitte dieser amtlichen Kolonialkarten präsentiert, mit denen Hafeneder seinen Vortrag reich bebilderte.

So entstand die preiswürdige, umfassend recherchierte Dokumentation eines hochinteressanten und ungewöhnlichen Kapitels deutscher Kartographie- und Kolonialgeschichte.

Überreicht wurde der Eratosthenes-Preis vom Präsidenten des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum, Prof. Dr. Harald Lucht aus Bremen.

Der erste Vorsitzende des Vorstandes Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried berichtete der Mitgliederversammlung anschließend in seinem Tätigkeitsbericht u.a. von der Neuauflage des Museumshandbuches, der Messepräsenz auf der INTERGEO sowie zu neuen Instrumenten als Herzstück der Museumsarbeit. Für die INTERGEO 2010 in Köln konnte erstmals in dieser Struktur eine Vortragssession zum Thema Vermessungsgeschichte eingerichtet werden. Diese wird sicherlich nicht nur für Vermessungshistoriker äußerst interessant. Ausblickend auf den 500. Geburtstag des bedeutenden Kartographen Gerhard Mercator im Jahr 2012 wurde bereits die Planung für eine ihm gewidmete Ausstellung vorgestellt.

Weitere Informationen über den Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V.