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Geocaching meets Geodäsie

26.10.2010 VDVinformiert Von Burkhard Kreuter vor 7 Jahr(en)


„Geocaching? Was ist das“ – werden sich viele von uns gefragt haben. Bei vielen Geocachern waren sicher noch mehr Fragezeichen als sie von der INTERGEO gehört haben.

 

Geocaching lässt sich am besten als eine Art moderner Schatzsuche oder Schnitzeljagd beschreiben. Geocacher verstecken irgendwo Behälter mit kleinen netten Dingen sowie einem Notizbüchlein, dem Logbuch und veröffentlichen das Versteck in Form von Koordinaten im Internet. Dies lesen andere und suchen mit einem GPS-Empfänger diesen „Schatz“. Dann wird eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose ausgetauscht, der Besuch geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt. Der entnommene Schatz wird dann beim nächsten Versteck an anderer Stelle wieder deponiert. So weit zu den Grundregeln. Natürlich steckt viel mehr dahinter. Beispielsweise gibt es unterschiedlichste Cache-Arten, vom einfachen Cache, bei dem man praktisch fast mit dem Auto vorfahren kann über Caches, die nur mit speziellem Equipment erreichbar sind (z. B. mit Bergsteiger- oder Schnorchelausrüstung) bis hin zu Rätselcaches, die vor Ort oder sogar schon im Vorfeld Recherche und Knobelei erfordern. Aber eine Gemeinsamkeit gibt es immer: Der mit dem Geocaching verbundene Spaß. Spaß am Unterwegssein, am Draußensein. Spaß an der Suche und der Knobelei. Spaß an der Herausforderung. Und Spaß am Austausch mit anderen Geocachern.

 

Um mit Geocachern Kontakt aufzunehmen haben die drei führenden Verbände im Vermessungswesen, - BDVI, DVW und VDV – anlässlich der INTERGEO 2010 in Köln eine Medaille in 250 facher Auflage entworfen. Idee dieses Geocoins „Geocaching meets Geodäsie“ war ein „Rennen“ der Coins innerhalb Europas das vom 15. 5. 2010 bis zum 31. 8. 2010 lief. Die nummerierten Geocoins wurden über das Internet vertrieben und die Teilnehmer schickten Ihre registrierten Coins auf die Reise. Über eine Internetseite konnten die zurückgelegten Wege und Entfernungen jedes einzelnen Coins verfolgt werden. Gewonnen hatte der Teilnehmer, dessen Coin die größte Strecke zurückgelegt hat.

 

Wir haben das Geocoinrennen zum Anlass genommen und Schulen in der Umgebung angesprochen und haben Schülern der 10ten Klasse in je einer Doppelstunde das Prinzip der GPS Lösung erklärt und dabei die Vielseitigkeit der Geoberufe vermitteln können. Selbstverständlich haben wir dabei auch Geocoins zum mitmachen verschenkt und die Schüler haben sich begeistert an der Aktion beteiligt. Die Rückmeldung der betreuenden Lehrer war äußerst positiv

 

Die von den Verbänden ausgelobten Preise:

 

1. Platz          500 €

2. Platz          300 €

3. Platz          200 €

           

Die ersten fünfundzwanzig Plätze erhielten je eine Einladung zur INTERGEO 2010 mit fachkundiger Führung durch die Ausstellung. Unter allen Teilnehmern wurde ein GPS Empfänger verlost.

 

Man konnte die Zwischenstände des Rennens Woche für Woche sehr gut verfolgen. Es war spannend die aktuelle Position der Coins zu verfolgen und zu beobachten wie die Rangfolge sich täglich veränderte.

 

31. 8. 2010: Jetzt ging es an die Auswertung. Es scheint, als ob einige Geocacher die Mission des Coins falsch verstanden haben. Einige unserer Geodäsie-Medaillen wurden auf den Canarischen Inseln geloggt. Hierüber war dann eine leidenschaftliche Diskussion unter den Teilnehmern entbrannt. Die Canaren gehören politisch zu Spanien, aber geographisch gehören die Inseln zur afrikanischen Platte. Was nun?

 

Einige Botschafter der INTERGEO und der Geodäsie sind in Südafrika, USA und Kanada aufgetaucht. Das ist gut so aber leider nicht regelkonform und deshalb wurden diese Teilnehmer disqualifiziert.

 

Die ersten drei Coins haben mit 18.654 km, 17.448 km und 14.533 km sensationelle Strecken zurückgelegt. Natürlich waren hier die Canaren beteiligt. Aber selbst wenn man die Strecken außerhalb des geografischen Europas (südlich von Gibraltar) rausrechnet, hätte sich an der Rangfolge nichts verändert. Daher haben wir die Strecken so belassen und einen Sonderpreis für die meisten Kilometer ohne Kanarische Inseln vergeben. Dieser Preis wurde für über 8.000 zurückgelegte km vergeben.

 

Der GPS Empfänger wurde von der Firma LEICA Geosystems gestiftet. Die Auslosung fand im Rahmen der Siegerehrung statt. Das Gerät hat seinen glücklichen Gewinner bereits erreicht.

 

Die Gespräche mit den Gewinnern hat haben deutlich gezeigt, dass das Interesse an unseren Themen auch unter Nichtgeodäten groß ist. Zwischen den Geocachern gab es einen regen Austausch untereinander. Jeder, der einen Coin in Händen hielt, beschäftigte sich mit seiner Herkunft und hinterfragte die Autoren. Dadurch wurde er auf die INTERGEO und die Geodäsie aufmerksam.

 

Es waren durchweg Menschen, die sich mit Navigation, GPS und Punktbestimmung - also geodätischen Disziplinen im weitesten Sinne - spielerisch beschäftigen. Der Brückenschlag zwischen professionellen GPS – Nutzern und spielerischen Anwendern ist aus Verbändesicht gelungen.