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GOLDENES LOT 2011 für Dr.-Ing. E.h. Ranga Yogeshwar

Ranga Yogeshwar - Foto: Dores
Ranga Yogeshwar (Preisträger), Wolfgang Kramer (Stifter des Preises), Wilfried Grunau (VDV-Präsident) - Foto: Dores

Für seine herausragenden Verdienste um die journalistische Aufbereitung und Darstellung von technisch-wissenschaftlichen Sachverhalten, darunter auch geodätische und kartographische Themenkomplexe, wurde der Wissenschaftsjournalist Dr. Ing. E.h. Ranga Yogeshwar am 11. November 2011 in Köln vom VDV mit dem GOLDENEN LOT 2011 geehrt.

 

Ranga Yogeshwar wurde am 18.Mai 1959 in Luxemburg als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Künstlerin geboren. Nach dem Grundschulbesuch in Indien und Luxemburg, folgte das Abitur am Lycée Classique Diekirch (Luxemburg); gleichzeitig Musikausbildung am Konservatorium der Stadt Luxemburg (Klavier). Anschließend Studium der experimentellen Physik mit dem Schwerpunkt „Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik“ an der RWTH Aachen mit Abschluss als Diplomphysiker. Yogeshwar arbeitete am Schweizer Institut für Nuklearforschung (SIN), am CERN sowie am Forschungszentrum Jülich.

 

Ab 1983 begann Ranga Yogeshwar zunächst bei verschiedenen Verlagen, dann im Bereich Hörfunk und Fernsehen journalistisch zu arbeiten. 1987 begann er als Wissenschaftsredakteur beim WDR und wirkte bei zahlreichen Sendungen mit. (Wissenschaftsshow, Kopfball, Bilder aus der Wissenschaft, Lilipuz, Wissenschaft live, Globus, W-wie-Wissen). Derzeit moderiert er die TV Sendungen „Quarks&Co“(WDR), „Wissen vor 8 “(ARD), „Wissenschaftsforum“ (Phoenix), und „Die große Show der Naturwunder“ (ARD).

 

Yogeshwar hat über 1000 Fernsehsendungen und zahlreiche Hörfunkbeiträge moderiert. Er hat zahlreiche Fernsehformate entwickelt und ist Autor bzw. Co-Autor vieler Kolumnen, und Fachartikel und Herausgeber einiger Bücher.

 

Regelmäßig leitete er Diskussionen und hält Vorträge im In- und Ausland. Er engagiert sich in vielen nationalen und internationalen Projekten, Kuratorien und Beiräten im Bereich Innovation, Bildung und Wissensvermittlung. Seit Jahren unterstützt er in Zusammenarbeit mit Misereor ein Hilfsprojekt für Minenopfer in Kambodscha, engagierte sich für die Tsunami-Opfer in Indien und ist Mitbegründer der Kinder- und Jugendstiftung Hennef.

Eröffnungsansprache des VDV-Präsidenten

Wie bringt man Wissenschaft in die Öffentlichkeit, wie weckt man Interesse für wissenschaftliche oder auch ganz alltägliche Phänomene, beispielsweise warum Frauen immer kalte Füße haben?

Der kürzlich verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hat einmal, zwar in einem anderen Zusammenhang, also nicht mit Frauenfüßen, gesagt: "Wir lassen die Knöpfe auf dem Bildschirm so gut aussehen, dass du sie ablecken willst." Nun, das kann man machen, muss es aber nicht.

Ranga Yogeshwar hat das Problem der attraktiven Wissensvermittlung auf seine eigene Art gelöst. - Und außerdem hat er auch die Sache mit den kalten Füßen erklärt.

Es gibt aber auch die andere Seite unseres heutigen Preisträgers, und dass ist nach Auffassung der Jury neben der journalistischen Aufbereitung und Darstellung von technisch-wissenschaftlichen Sachverhalten auch einer der wesentlichen Gründe für die heutige Auszeichnung. Das gesellschaftliche Engagement, das öffentliche Nachdenken und Einfordern einer, ich nenne es mal neuen Verantwortlichkeit für unser Tun.

Beispielhaft hat Rangar Yogeshwar das gemeinsam mit Klaus Töpfer - bekanntlich auch Preisträger des Goldenen Lotes - in dem Buch "Unsere Zukunft" thematisiert.

Ich habe bei den Verleihungen des Goldenen Lotes schon of über die Verantwortung der Ingenieure und Naturwissenschaftler gesprochen. Öffentliche Kontroversen und Konflikte um wissenschaftlich-technische Fragen sind ebenso wie das Verhältnis von Technik und Gesellschaft schon seit langem Gegenstand wissenschaftlicher wie auch politischer Diskussionen. In jüngster Zeit lässt sich aber ein verstärktes Bemühen um eine Neubestimmung des Dreieckes Politik, technische Machbarkeit und Öffentlichkeit feststellen.

Hintergrund solcher Bemühungen sind aktuell beispielsweise die Katastrophe von Fukushima, die Ölpest im Golf von Mexiko oder auch die Kontroversen um ethische Fragestellungen der Stammzellenforschung. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzten.

Die dann meist gestellte Frage lautet: sollen, oder besser: dürfen wir alles tun, was technisch machbar ist? Wo sind die Grenzen? Und: Wer legt sie fest? (Nebenbei: Grenzfeststellungen sind eigentlich ureigenste Aufgaben von uns Geodäten)

Sind wir Menschen überhaupt lernfähig, und wenn ja, in welchem Maße? Was haben wir aus den Unglücken von Tschernobyl, von Harrisburg oder Seveso gelernt? Kennt die überhaupt noch jemand? Und wer erinnert sich noch an die Studie des Club of Rome, die Grenzen des Wachstums?

Und quasi parallel zu diesen eben genannten Ereignissen (aus denen eigentlich Folgerungen resultieren sollten, zumindest hieß es immer so), existiert eine Lebensauffassung, die der renommierte Sozialpsychologe Christian Röglin wie folgt charakterisiert: „Der Mensch will zurück zur Natur, aber nur im Rolls-Royce. Wir haben es mit einer Gesellschaft zu tun, die »ja« sagt zum Produkt, aber »nein« sagt zur Produktion“.

Im schon angesprochenen Buch "Unsere Zukunft" - Anlass war übrigens die Reaktorkatastrophe in Fukushima und die daraus resultierende Energiewende in Deutschland. - in diesem Buch kommen die beiden Autoren Yogeshwar und Töpfer zu dem kaum überraschenden Ergebnis: "Wir müssen alles tun, um dem Diktat der Kurzfristigkeit zu entkommen."

Und die eigentlich gute Nachricht ist: beide Autoren arbeiten bereits seit Jahren daran, jeder auf seine Weise. Der eine, bereits Lotträger und bekanntermaßen auf politischer Ebene aktiv, zuletzt im Ethikrat, der andere Lotträger in Spe, in aufklärenden und manchmal auch sehr nachdenklichen Fernsehsendungen; ich erinnere mich beispielsweise an eine Sendung, in der es um die Folgen des Braunkohlentagebaus ging - Folgen insbesondere für die Menschen, die ihrer Heimat aufgeben mussten.

Eine Arbeit, die in meinen Augen bewundernswert ist. Lieber Herr Yogeshwar, wir möchten Sie ermuntern, auf diesem Weg weiterzugehen.

Es ist ein guter Weg!

Der britische Schriftsteller und Sozialphilosoph John Ruskin hat einmal gesagt: "Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden."

Und so freuen wir uns, sehr geehrter Herr Yogeshwar, dass Sie hier und heute etwas werden, nämlich der Preisträger des Goldene Lot 2011.

Machen Sie weiter so, bleiben Sie Mensch!