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Rolf Bull, Bernhard Hoëcker u. Wilfried Grunau
Die bisherigen Preisträger: Rolf Bull (2012), Hagen Graeff (2010), Wilfried Grunau (2003), Bernhard Hoëcker (2013), Ulf Merbold (1996), Manfred Bonatz (2000)

GOLDENES LOT 2013 für Bernhard Hoëcker

Der beliebte Comedian, Moderator und Buchautor Bernhard Hoëcker ist für seine ungewöhnliche und einzigartige Art, Alltagsphänomene wissenschaftlich aufzubereiten und komödiantisch darzustellen, vom Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV) mit dem GOLDENEN LOT geehrt worden.

 

Bernhard Hoëcker, gilt als "das witzigste wandelnde Lexikon Deutschlands" (Zitat: Hagen Haas am 6.5.2009 im Bonner Generalanzeiger). Zahlreiche Fernseh- und Bühnenauftritte künden davon. Bekannt wurde Hoëcker einem breiten Publikum vor allem als Improvisationskünstler aus Fernsehsendungen wie "Switch", für seine witzigen und intelligenten Antworten als Mitglied des Rateteams bei "Genial daneben" sowie als Moderator der Wissenschafts-Comedy "Nicht nachmachen". Darüber hinaus engagiert sich Hoëcker ehrenamtlich für die Stiftung Lesen, in der er als prominenter Botschafter für „Lesestart“ allen Eltern das Thema Vorlesen ans Herz legt.

 

Seit Jahren zählt Hoëcker zu den bekanntesten Geocachern Deutschlands, der seine Reisen regelmäßig auch dazu nutzt, "Lost Places" zu entdecken, schwierigste Rätsel zu knacken und das Ganze dann schriftlich festzuhalten. Seine Bücher, beispielsweise "Hoëckers Entdeckungen", "Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers" oder "Meilenweit für kein Kamel", zeigen auf humorvolle Weise, wie man mit zum Teil absurdem Wissen alltägliche und doch ungewöhnliche Abenteuer erleben kann.

Die Überreichung des GOLDENEN LOTES fand am 27. September im Kristallsaal der KölnMesse statt. Die Laudatio hielt der Vorjahrespreisträger Dipl.-Ing. Rolf Bull, Chefredakteur des VDVmagazin.

 

 

Video der Eröffnungsrede, der Laudatio und der Dankesrede Hoecker

Rede des VDV-Präsidenten Wilfried Grunau

Warum verleihen Geodäten einem Comedian das Goldene Lot? Eine Frage, die eigentlich relativ schnell beantwortet ist: "Weil er es verdient hat!"

 

Aber für diejenigen, die es gerne ausführlicher hätten vielleicht doch die etwas längere Begründung - und dazu muss ich ein wenig ausholen: Wir Ingenieure und Technosophen leben bekanntermaßen mehr oder weniger in einer abgeschlossenen Fachwelt mit einer eigenen Kultur, mit eigenen Regeln und meistens auch mit einer eigenen Sprache. Was wir machen, schreiben wir Ingenieure üblicherweise in irgendwelchen sehr unverständlich formulierten Handbüchern nieder und dies auch nur wenn es denn unbedingt sein muss . Und - wenn ich das mal so ganz unter uns sagen darf - eigentlich noch nicht einmal besonders unterhaltsam.

 

Wer als junger Mensch eine Ingenieur-Laufbahn anstrebt, hat in der Regel schon in der Schule mit den schöngeistigen Dingen und der Welt der Sprache abgeschlossen - Ausnahmen bestätigen diese Regel natürlich und Anwesende sind sowieso ausgeschlossen. Fakt aber ist: Die meisten Techniker fühlten sich zur sprachlichen Vermittlung ihrer Arbeit außerhalb ihrer vertrauten Fachkreise einfach nicht berufen.

 

Man kann also froh sein, wenn es Leute gibt, die einem in verständlichen Sätzen - und dies nach Möglichkeit auch noch unterhaltsam - erklären, wie irgendeine Technik funktioniert oder angewendet wird.

 

Wir Ingenieure nutzen nun mal gerne eine Fachsprache, die andere nicht auf Anhieb verstehen. Ärzte machen das übrigens auch. Jeder, der mal eine Arztvisite im Krankenhaus mitgemacht hat kennt das aus eigener Erfahrung.

 

Und diese Phänomen ist nicht neu: Früher klassifizierte man beim Theater - grob gesagt - in Tragödie und Komödie. Die Tragödie wurde dabei immer in der Sprache der Eingeweihten und der Wissenden verfasst, also in Latein. die Komödie hingegen nicht.

 

Nebenbei: Bei der Oper war (und ist auch heute noch) die Fachsprache meist Italienisch. Eine Oper in deutscher Sprache gab es vor der Zauberflöte eigentlich nicht. Mozart soll damals einen ziemlichen Ärger bekommen haben, als er eine Oper für das Volk in der Sprache des Volkes komponierte und somit auch noch die Geheimnisse der Freimaurersymbolik öffentlich preisgab.

 

Latein also, und geheime Symbole. Und so etwas haben wir Vermessungsingenieure natürlich auch.

 

Die Komödie hingegen wurde in der "einfachen" Sprache des Volkes verfasst: Jeder verstand sie, jeder wusste sofort was gemeint war und jeder liebte deshalb die Komödianten - insbesondere wenn sie den Menschen der Oberschicht manchmal auch noch einen Spiegel vorhielten und nicht dafür bestraft werden konnten. Der Hofnarr des Königs hatte halt Narrenfreiheit. Und so ist es im Prinzip auch noch heute. Nur das die Komödianten jetzt Comedians heißen.

 

Der heutige Preisträger hat kürzlich in einer Show von und mit Ina Müller auf die Frage nach der Herkunft der GPS-Koordinaten eine für uns Geodäten erschütternd klare und einfache Antwort gegeben: "Vom Himmel!" Wer von uns Ingenieuren hätte nach einem mehrjährigen Studium und intensiver Konsultation von Fachbüchern gedacht, dass es so einfach ist. Die Koordinaten kommen vom Himmel - sozusagen "gottgegeben". Seitdem überlege ich, ob ich mein GPS-Gerät anbeten sollte. Ich wusste ja nicht, dass es so einfach ist.

 

 

(Begrüßung des Preisträgers, des Laudators, der Vorjahrespreisträger und der Ehrengäste)

(Grußworte der Stadt Köln, des ZBI, der EGoS und des DDGI)

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eingangs auf die Sprache der Eingeweihten und die Symbolik der Wissenden fokussiert. Man darf dann also durchaus die Frage stellen: Wissen Wissenschaftler wirklich alles und der Rest der Menschheit nichts?

 

Albert Einstein hat in diesem Kontext einmal gesagt: "Denkt auch daran, das die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich machen. Denn sie erleichtern nicht nur des Menschen Tagewerk, sondern machen auch die Werke der feinsten Denker und Künstler, deren Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen war, jedem zugänglich."

 

Mit wissenschaftlicher Erkenntnis meistern wir unseren Alltag: Wenn wir wissen wollen, wie das Wetter wird, an welcher Krankheit wir leiden, oder wie wir in der Finanzkrise unseren Wohlstand erhalten können, fragen wir Experten. Auch unbewusst beeinflusst uns die Wissenschaft – etwa wenn Biochemiker Lebensmittel kreieren oder Psychologen das Werbefernsehen gestalten.

 

Die Menschen vertrauen den Fachleuten, weil sie beispielsweise akademische Titel tragen und an bekannten Instituten arbeiten. Aber ist es wirklich so, dass nur Forscherinnen und Forscher Wahrheiten produzieren, während alle übrigen bloß Halbwissen und Aberglauben zum Ausdruck bringen? Nun, natürlich ist dem nicht ganz so. Gleichwohl ist die heutige Welt aber auch ein Produkt von Wissenschaft und Technik.

 

Dem Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker wird das Zitat zugeschrieben: "Technik ist Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck."

 

Die Welt, in der wir leben, wird mit jedem Tag globaler und vernetzter, die Wissenschaften verschiedenster Natur arbeiten immer enger, verzahnter und voneinander abhängiger zusammen; gleichzeitig wird - vor allen Dingen in technischen Bereichen - unser Horizont immer spezifischer und damit eingeschränkter.

 

Dies kann sowohl lokal als auch global zu fatalen Folgen führen, aber auch zum ganz banalen persönlichen Unglück, wenn der verantwortliche Mensch nicht auch verantwortungsbewusst wird, was er auch dann werden muss, wenn er nur ein scheinbar unbedeutendes Rädchen in einer großen Maschinerie darstellt.

 

Der Informatiker, Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker Joseph Weizenbaum hat dazu angemerkt: "Dass die Menschheit in diesem höchst instabilen und gefährlichen Zustand lebt und abhängig ist von einer Technik, die sie kaum noch durchschaut, ist keine zwangsläufige Folge der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung - es ist eine Folge des moralischen und politischen Entwicklungsstandes der Gesellschaft.“

 

Dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, dies zu erkennen bedarf eines Blickes über den Tellerrand dessen, was zum Beispiel Lehrpläne vorschreiben oder Fernsehprogramme nahelegen. 

 

Und genau vor diesem Hintergrund ist auch die Bedeutung des komödiantischen, des Spiegel Vorhaltens, des Betonens von Offensichtlichen aber anscheinend eben doch nicht ganz so Belanglosen zu sehen. Das Parodieren des Alltäglichen kann durchaus einen wesentlich Beitrag zum Verständnis desselben beitragen und indem sie einen neuen Blickwinkel auf die Wirklichkeit ermöglicht, durchaus auch die Einstellung der Menschen beispielsweise zu technikrelevanten Themenstellungen verändern. Und genau das möchte der VDV heute herausstellen.

 

Meine Damen und Herren, wir würdigen heute mit dem Goldenen Lot einen Wissenschafts-Comedian für seine ungewöhnliche und einzigartige Art, Alltagsphänomene intelligent aufzubereiten und humorvoll darzustellen.

 

Bernhard Hoëcker ist komisch, aber nicht albern,

treffend, aber nicht verletzend,

intelligent, aber nicht oberlehrerhaft.

 

Lieber Herr Hoëcker, der VDV freut sich sehr, Ihnen heute seine höchste Ehrung überreichen zu dürfen.