zum Content

Automatisierte untertägige Verformungsbeobachtung mit Monitoring-Tachymetern

25.10.2017 VDVinformiert Von Achim Dombert vor 49 Tagen


Besuchergruppe

Instrumente rechts mit Plastikhaube links Überkopf-Montage

Ausbau mit Ankern und Zielpunkten (gelb)

Am 20.09.17 besuchte eine Gruppe von 24 Teilnehmern die Schachtanlage Konrad in Salzgitter. Das Seminar des VDV-Bildungswerkes begann bereits um 8.15 Uhr mit dem Einführungsvortrag zum Endlager Konrad. Deutschlands erstes nach dem Atomgesetz genehmigtes Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Durch den Tag führte der Leiter der Markscheiderei Dipl.-Ing. Andreas Degen. Die Auffahrung eines Infrastrukturbereichs und eines großen Füllorts im zukünftigen Endlager in der Schachtanlage Konrad wird größtenteils in Anlehnung an die Neue Österreichische Tunnelbauweise ausgeführt. Ziel ist die Herstellung des als wartungsfrei geplanten Ausbaus nach dem Ablauf der wesentlichen Verformungen und Ge­birgsdruckumlagerungen aus der Auffahrung. Zur Beurtei­lung des Ablaufs dieser Prozesse ist das Gebirge um die neu aufgefahrenen oder erweiterten Grubenräume geometrisch zu überwachen. Neben verschiedenen geotechnischen Messeinrichtungen werden tachymetrische Messstationen aufgebaut, die auto­matisch eine Vielzahl signalisierter Punkte (Anker) in den Gruben­bauen anzielen und deren Bewegungen aufzeichnen. Die Messungen laufen programmgesteuert ab, die Ergebnisse werden via Datenspeicher oder Netzwerk weitergeleitet und komplex aufbereitet. In dieser Fachexkursion wurden Konzept und Realisierung der automatisierten tachymetrischen Ver­formungsüberwachung vorgestellt. Besondere Herausforderungen durch die äußeren Bedingun­gen stellen dabei eine sogenannte Schachterweiterung dar, die in einem während der Arbeiten geometrisch abgeschlossenen und räumlich sehr eingeschränkten Bereich durchgeführt wird. Die tachymetrische Überwachung im Schacht kann da­her nur von oben erfolgen. Die so eingeschränkten Sichtbe­dingungen erfordern eine innovative Überkopf-Montage von Monitoring-Tachymetern. Diese Überkopfanwendung hat ihrerseits wiederum eine angepasste Auswertung zur Folge. Zudem erschwert die Instrumentenplatzierung den direkten Zugang zu Einrichtungs- und Wartungszwecken. Zunächst wirkte die Realisierung zur Überwachung einzelner Anker im Ausbau recht einfach zumal Instrumente eingesetzt werden die deutlich älter als 10 Jahre sind. Es gab aber einige Herausforderungen zu lösen. Die Überkopf-Montage der Instrumente führt z.B. dazu dass der Stehachskompensator nicht funktioniert. Auch die Klemmung am Dreifuß ist für eine solche Belastung auf Dauer nicht entworfen worden. Während der Besichtigung Vorort konnten sich die Teilnehmer von der großen Trockenheit in der Anlage und dem allgewärtigen Staub überzeugen. Damit der Staub von den Instrumenten weitgehend ferngehalten werden kann haben die Tachymeter Plastikhauben. Natürlich muss die Plastikhaube zur Beobachtung der Anker an vielen Stellen Löcher haben. Das wiederum würde den Schutzeffekt wieder aufheben wenn nicht dieses Behältnis leicht unter – in Bergwerken verfügbare - Druckluft gesetzt wird. Nach der Grubenfahrt schloss sich die Mittagsverpflegung an. In der anschließenden Diskussion wurde noch einmal deutlich gemacht wie wichtig die Verformungsbeobachtung ist. Schließlich wird die Anlage nach dem Ausbau und der Befüllung zu einem Zeitpunkt hermetisch verschlossen und muss dann über sehr sehr viele Jahre unverändert existieren.