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Bauingenieurnachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern: Selbst ist das Land

21.10.2017 VDVinformiert Von Ullrich Wille vor 1 Jahr(en)


v.l.: Frank Wagner (BDVI), Beate Schlupp (1. Vizepräsidentin des Landtages M-V), Ralph Seehase (VPI), Rolf Schmidt (IK M-V), Wulf Kawan (Präsident IK M-V)

Ingenieurrat M-V richtet Parlamentarischen Abend aus

Der Ingenieurrat Mecklenburg-Vorpommern hat am 12.09.2017 im Schweriner Schloss einen Parlamentarischen Abend ausgerichtet, um auf den akuten Bauingenieurmangel in unserem Bundesland aufmerksam zu machen. Auch der VDV ist neben 8 weiteren Ingenieurverbänden und der Ingenieurkammer M-V im Ingenieurrat vertreten

In dem Flächenland Mecklenburg-Vorpommern arbeiten Bauingenieure oft in kleineren Strukturen, z. B. in Planungsbüros, in Verwaltung und Bauwirtschaft und rücken demzufolge selten in den Fokus der Öffentlichkeit. Dennoch haben Sie einen wesentlichen Anteil an unserer Gesellschaft. Neue Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten würde es ohne sie nicht geben. Notwendige Infrastrukturprojekte, wie der Neubau und der Erhalt von Brücken, Straßen, Gleisen, Offshore Anlagen, Häfen und Wasserstraßen könnten ohne Bauingenieure nicht realisiert werden. Unsere alten Hansestädte, Magnet für tausende Touristen, würden nicht im alten Glanz erstrahlen.

Die tiefe Krise der Bauwirtschaft vor gut 10 Jahren war Ursache dafür, dass sich zu dieser Zeit viele junge Studenten gegen ein Bauingenieurstudium entschieden. Gleichzeitig wechselten viele Bauingenieure in andere Branchen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden die Hochschulstandorte Rostock und Neubrandburg geschlossen. Bedingt durch diese Historie sind die in Mecklenburg- Vorpommern tätigen Bauingenieure „überaltert“.

Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr mindestens 120 Absolventen benötigt werden, um die vorhandenen Strukturen aufrecht zu erhalten. Die Hochschule Wismar, als einzig verbliebender Standort in M-V, bildet pro Jahr ca. 30 bis 35 junge Bauingenieure aus. Durch den hohen gesamtdeutschen Bedarf und die besseren Verdienstmöglichkeiten, z. B. im benachbarten Hamburg, bleiben diese jedoch nicht ausschließlich in unserem Bundesland, so dass nur ca. 20 Absolventen im Jahr nachrücken. Die Lücke von ca. 100 Bauingenieuren hat mittel- bis langfristig schwere Folgen.

In einem Gastvortrag hat Herr Professor Glaner von der Hochschule Wismar, Bereichsleiter Bauingenieurwesen die aktuelle Situation in Mecklenburg vorgestellt und über Möglichkeiten referiert, die Zahl der Absolventen signifikant zu steigern. Dazu gehören Veranstaltungen an und mit Schulen, um das Interesse an einem Ingenieurstudium schon früh zu wecken. Diese werden auch durch den Ingenieurrat unterstützt, z. B. durch den Tag der Technik (www.tdt-mv.de). Auch gezielte Fördermaßnahmen der Hochschule zur Verringerung der Studienabbrecher gehören dazu und werden bereits durchgeführt. Ebenfalls sinnvoll wäre es die Berufsausbildung mit Abitur wieder anzubieten.

Der größte Zuwachs an Absolventen ließe sich jedoch erreichen, wenn die universitäre Ausbildung durch eine Partnerschaft mit einer bestehenden Universität oder aber mit einem eigenen Standort, wieder aufgenommen würde. Die technischen Rahmenbedingungen wären gegeben. So verfügt zum Beispiel die Hochschule Wismar über eine hochmoderne technische Infrastruktur. Hinzukommen müsste mehr wissenschaftliches Personal, welches diese Ausbildung gewährleisten kann. Der hierfür erforderliche jährliche Etat wird mit ca. einer Million Euro abgeschätzt.

Der Ingenieurrat appellierte an die Abgeordneten, gemeinsam mit dem Ingenieurrat und der Hochschule an einer Lösung zu arbeiten. Die Folgen wären sonst schwerwiegend. Sie reichen von langen Bearbeitungszeiten bei Bauanträgen, Verzögerung in der Umsetzung von wichtigen Investitionsvorhaben trotz vorhandener Mittel bis hin zur Auftragsvergabe an Unternehmen außerhalb von M-V und den damit verbundenen Verlust an Steuereinnahmen. Gefährdet wären auch die Arbeitsplätze von nicht akademischen Berufen. So bindet ein Bauingenieur in einem Bauunternehmen ca. 20, in einem Planungsbüro ca. 3-4 Mitarbeiter.