zum Content

Ingenieure braucht das Land!

19.05.2017 VDVinformiert vor 208 Tagen


v.l.: VDV- u. ZBI-Präsident Wilfried Grunau, Festrednerin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, BDVI-Präsident Michael Zurhorst, Birgit Keller (Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft), Alexander Hilge (Beigeordneter der gastgebenden Landeshauptstadt Erfurt). Foto: U. Wille

v.l.: VDV- u. ZBI-Präsident Wilfried Grunau, Festrednerin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, BDVI-Präsident Michael Zurhorst, Birgit Keller (Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft), Alexander Hilge (Beigeordneter der gastgebenden Landeshauptstadt Erfurt). Foto: U. Wille

Berufsverband stellt Digitalisierung in den Fokus.

 

Anlässlich seiner Bundesmitgliederversammlung in Erfurt stellt der Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV), Berufsverband für Geodäsie und Geoinformatik, das Thema Digitalisierung in den besonderen Fokus. Gefordert werden u.a. eine bessere Digitale Bildung sowie ein schnellerer Ausbau der technischen Infrastruktur.

 

Deutschland ist auf dem Weg zur digitalen Republik: Laut jüngsten Studien sind nahezu 60 Millionen Menschen, und damit dreimal mehr als vor 15 Jahren, regelmäßig auf den Datenautobahnen im World Wide Web unterwegs. Von vielen Trendthemen der Zeit ragt aktuell denn auch keines so heraus, wie das Megathema „Digitalisierung“. Allseits anerkannt ist zwischenzeitlich, dass der digitale Wandel sich nicht nur auf technische Systeme erstreckt, sondern in besonderem Maße auch digitale Kompetenzen und neuartige Denk- und Arbeitsweisen erfordert.

 

Dazu ein Beispiel: Wir haben heute ein neues Verständnis von Erhebung, Analyse, Auswertung von Daten. Der Umgang mit raumbezogenen Daten („Geodaten“) gewinnt in diesem Kontext zunehmend an enormer Bedeutung, denn bekanntermaßen haben ca. 80 Prozent aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse einen Bezug zum geographischen Raum.

 

Wenn heutzutage im Rahmen der Digitalisierung alle Prozesse und Reaktionen auf Echtzeit optimiert sind, ist der nächste folgende Schritt, dass es schneller als Echtzeit sein muss. Es geht damit um die Anwendbarkeit und Relevanz präziser Vorhersagen – und auch das selbstverständlich auf der Basis von Geodaten. Bereits heute arbeiten die Vordenker ihrer Branchen beim „Data Mining“ mit so genannten „Predictive Analytics“: Aus immer größer werdenden Datenmengen erstellen sie mit den richtigen Werkzeugen und den richtigen Fragen präzise Vorhersagen über Kundenbedürfnisse, Produktanforderungen und Marktveränderungen. Unternehmen wollen komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge vorhersagen können, um bessere Entscheidungen zu treffen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Es gibt bereits jetzt eine ganze Reihe von Unternehmen, die ihre Prozesse auf Basis dieser Prognosen steuern. In wenigen Jahren wird das bereits Normalität sein.

 

Der technologische Wandel ist also mit eine der großen Herausforderungen für die Ingenieurinnen und Ingenieure. Daraus resultieren natürlich auch Forderungen der Ingenieurverbände, von denen hier nur zwei bespielhaft genannt seien:

Digitale Bildung: Aus Sicht der Ingenieure muss in Deutschland das Thema „Digitale Bildung“ wesentlich differenzierter in den Fokus genommen werden. Ein wichtiges Ziel hierbei muss unter anderem die Vermittlung von Kompetenzen sein, die für den Erfolg in Ausbildung und Beruf entscheidend sind, d. h. statt des Technologiehandlings muss vermehrt auch die Technologieverantwortung und -mitgestaltung in den Mittelpunkt gestellt werden. Aktuellen Studien zufolge werden in naher Zukunft rund 90% der Berufe diese digitalen Kompetenzen einfordern.

Technische Infrastruktur: Leistungsstarke Infrastrukturen sind die Lebensadern unserer Gesellschaft. Der Ausbau der technischen Infrastruktur muss nach Ansicht der Ingenieure daher wesentlich stärker forciert werden. Für eine prosperierende Wirtschaft ist die flächendeckende Glasfaserversorgung essentiell. Derzeit liegt Deutschland im OECD-Vergleich bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen lediglich auf Platz 28 von 32.

 

Die auf der Tagung in Erfurt zu diskutierenden Umsetzungsmöglichkeiten dieser Forderungen werden als berufsständische Leitsätze an die Politik herangetragen. Viele Gespräche dazu hat Dipl.-Ing. Grunau bereits mit hochrangigen Bundes- wie auch Landespolitikern geführt. Weitere Gespräche zu diesem Thema sind bereits terminiert.

 

„Die Realisierung der Digitalen Transformation ist eine disruptive Zukunftsaufgabe, die größte Herausforderungen an uns alle stellt und Deutschlands wirtschaftliche Position auf dem Weltmarkt nachhaltig beeinflussen wird“, sagte Dipl.-Ing. Wilfried Grunau, Präsident des Ingenieurverbandes anlässlich der Eröffnung des VDV-Bundeskongresses in Erfurt. „Und wer die aktuellen Arbeitsmarktdaten verfolgt, der weiß: allen Meldungen ist seit geraumer Zeit eines gemeinsam: Ingenieure braucht das Land!“

 

Über den VDV:

Der VDV ist mit ca. 6000 Ingenieuren die berufspolitische Standesvertretung im Bereich der Geodäsie und Geoinformatik in Deutschland. Der Berufsverband wurde 1949 in Essen gegründet. Wilfried Grunau steht dem Verband seit 24 Jahren als Präsident vor und ist national wie auch international ein hoch geachteter Experte.