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Planungsbeschleunigung, Fachkräftebedarf und nachhaltige Bauwirtschaft

Der VDV im Gespräch mit der Bundesbauministerin.

Der VDV im Gespräch mit der Bundesbauministerin

Planungsbeschleunigung, Fachkräftebedarf und nachhaltige Bauwirtschaft, das waren nur drei der wichtigsten Themen, die VDV- und ZBI-Präsident Wilfried Grunau gemeinsam mit ZBI-Vizepräsidentin Ute Zeller und VDV-Referent für Freie Berufe, Henry Freisinger, in einer einstündigen Videokonferenz mit Bundesbauministerin Klara Geywitz erörtert haben. Seit Dezember 2021 ist Geywitz Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und macht gleich in vielen Themenkomplexen von sich reden: Sei es der bezahlbare Wohnraum, der Klimaschutz im Baubereich oder auch die Weiterführung der Nationalen Stadtentwicklungspolitik (NSP). Zu letzterem konnte Grunau gleich zu Beginn des Gesprächs den Dank der Architekten und Ingenieure übermitteln, dass der auch vom ZBI unterzeichnete Appell der Kammern und Verbände die NSP ab dem Jahr 2023 mit den gleichen finanziellen Mitteln wie bisher auszustatten, innerhalb weniger Tage positiv von der Ministerin beschieden wurde.

In ihrem Eingangsstatement bekannte sich die Ministerin zudem eindeutig zur Notwendigkeit einer Novellierung der HOAI. Sie und ihr Haus arbeiteten intensiv daran, um im Einklang mit den Kammern und Verbänden eine tragbare Lösung zu entwickeln. Der Berufsstand könne sich auf sein Bundesbauministerium verlassen, wenn es darum gehe, sich für die Belange der Ingenieurinnen und Ingenieure einzusetzen, so die Ministerin.

Das Thema Planungsbeschleunigung stehe in der Agenda der Bundesregierung ganz oben auf der Tagesordnung, „auch beim Bundeskanzler Olaf Scholz“, berichtete die Bundesministerin weiter und forderte die Ingenieure auf, beim vielkolportierten aufwändigen Vorschriftendschungel zum Auflösen des Dickichts beizutragen: Sie habe ein offenes Ohr für Anregungen, das Verwaltungshandeln effektiver und schneller zu gestalten: „Nennen Sie mir Vorschriften und Normen, die vereinfacht oder auch gestrichen werden können!“

Ein Instrumentarium, um die Prozesse im Planungs- und Bauwesen stärker zu vernetzen und damit die Leistungsfähigkeit und Effizienz der deutschen Bauwirtschaft zu optimieren, liegt in der Anwendung digitaler Methoden, wie zum Beispiel openBIM. Für die Ministerin war es interessant zu hören, welche verwaltungstechnischen Probleme es – neben den technischen Herausforderungen – bei Ausschreibungen mit BIM-Bezug noch gibt. Gleichwohl ist die Problematik im Ministerium auf der Arbeitsebene bereits bekannt und man arbeitet schon an Lösungen, bestätigte der bei dem Gespräch anwesende Leiter des Grundsatzreferats, Heiko Roeder.

Der Fachkräftebedarf war ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs. Allen Beteiligten war klar, dass der Fachkräftemangel die Verwaltungen ebenso wie die freie Wirtschaft betrifft. Viele freie Stellen können aus Mangel an geeigneten Bewerbern überhaupt nicht mehr besetzt werden. Dieses Problem kann aber nicht alleine von den Kammern und Verbänden mit ihren vielfältigen und sehr engagierten Nachwuchsinitiativen gelöst werden. Hier bedarf es struktureller politischer Entscheidungen und verbesserte, angemessene Rahmenbedingungen, forderte Wilfried Grunau. Der in diesem Kontext anzustoßende strategieorientierte Diskurs betreffe viele Themenbereiche angefangen bei der Bildungspolitik bis hin zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Konkret können dies beispielsweise vermehrte technische Schwerpunktthemen in der Frühpädagogik sein ebenso wie innovative Arbeitszeitmodelle (Stichwort Familienfreundlichkeit) oder auch ein verbessertes attraktives Gehaltsgefüge für technische Berufe. Dies zu diskutieren sei durchaus eine politische Herausforderung.

Als Fazit des sehr angenehmen Austausches konnte festgehalten werden, die Herausforderungen sind beträchtlich. Wir bleiben im Gespräch.

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