zum Content

Landesexkursion: BayernLab Kaufbeuren und Bergzerreißungsgebiet Hornbergl

29.12.2019 Landesverband Bayern Von Kurt Wagner vor 155 Tagen


Termin: 27.09.2019 - 28.09.2019
Ort: Kaufbeuren und Hornbergl


Die VDV-Gruppe mit Roboter NAO im BayernLab Kaufbeuren (Fotos: Kurt Wagner)

Im bergsturzgefährdetem Gebiet am Hornbergl

Die VDV-Gruppe am Hornbergl

Der Landesverband Bayern erkundet in einer Zweitagesexkursion das neu eröffnete BayernLab in Kaufbeuren und das bergsturzgefährdete Gebiet am Hornbergl bei Reutte in Tirol.

BayernLab – Digitalisierung Erleben

Der erste Besichtigungspunkt führte die VDV-Mitglieder in das neu eröffnete BayernLab nach Kaufbeuren.

Aktuell sind acht der geplanten 13 BayernLabs eröffnet. Sie sind Schaufenster für digitale Innovationen mit modernster Technik - kostenfrei und für jedermann zugänglich.

Als Bestandteil der Digitalisierungsstrategie für Bayern sind diese offenen Informationsplattformen Orte, an denen man in der Praxis die fortschreitende Digitalisierung anschauen, anfassen und ausprobieren kann.

Die Ausstellungsbereiche sind für die Bürger ohne Anmeldung zugänglich und ausgestattet mit kostenlosem @BayernWlan. Zudem werden Workshops und Vorträge in den Räumlichkeiten abgehalten oder könne auch für Veranstaltungen und Meetings genutzt werden.

Folgende Themenbereiche werden präsentiert und konnten auch von den Exkursionsteilnehmern ausgiebig getestet werden:

Geodaten: Innovativer Einsatz der für alle Bürger online verfügbaren Geobasisdaten und Geofachdaten mit dem Geoportal Bayern und dem BayernAtlas.

Multikopter: Mit dem Multikopter durch die Räumlichkeiten fliegen, Bild- und Filmaufnahmen erstellen und mehr zur Drohnenverordnung erfahren.

Virtuelle Realität: Durch Schloss Neuschwanstein wandeln, eine Achterbahnfahrt durchleben oder in einem Hochhaus auf einem Brett hinausgehen und mit einem virtuellen Schirm abspringen.

3D-Druck: Am Computer auf einfache Weise ein Objekt wie z. B. den Fünfknopfturm von Kaufbeuren konstruieren und als 3D-Druck ausgeben.

Behördengänge: Verwaltungsleistungen durch das BayernPortal durchführen und Zeit und Aufwand sparen.

Augmented Reality: Mit dem Tablet Informationen zur realen Welt erhalten, plötzlich Bilder zum Leben erwecken, Digitalisierung für Jung und Alt per App.

Augmented Reality Sandbox: Berge und Täler können mit kinetischem Sand selbst geformt werden und in Echtzeit entstehen Vegetationsfarben und Höhenlinien auf der Oberfläche; Regenschauer lassen Seen und Flüsse entstehen.

Sicher im Netz: Sicherer Umgang mit digitalen Medien, wie z. B. die unterschiedlichen Sicherheitsstufen von Passwörtern ausprobieren.

Robotik: Einsatz von Sensorik, Robotik und Programmierung, wie bei den ausgestellten Modellen von Lego Mindstorms oder dem humanoiden Roboter NAO.

Nachdem die interessantesten Themenbereiche ausprobiert wurden, konnten die Teilnehmer bei einem Schnell-Quiz noch Ihre neu gesammelten Erfahrungen und das erlernte Wissen unter Beweis stellen. Als Andenken gab es noch einen 3D-Druck des Fünfknopfturms. 

Vielen Dank an Wolfgang Krusche und dem Team des BayernLabs Kaufbeuren für die kurzweilige Ein- und interessanten Ausführungen. 

Im Anschluss wurden die Erfahrungen mit den modernen Techniken und digitalen Innovationen  bei einem Mittagessen in der Altstadt von Kaufbeuren weiter diskutiert.

Geodätisches Langzeitmonitoring am Bergzerreißungsgebiet Hornbergl

Das nächste Ziel war das Bergzerreißungsgebiet Honbergl. Dazu fuhr die Exkursionsgruppe nach Reutte in Tirol. Ein Teil der Gruppe fuhr mit der Bergbahn Höfen auf den Hahnenkamm.

Von dort führte eine halbstündige Wanderung zur Lechaschauer Alm, wo ein beeindruckender Ausblick auf die nördlichen Alpen und die Zugspitze wartete. Der zweite Teil der Gruppe nahm die Herausforderung an und wanderten direkt vom Tal zur Hütte. Nach einem gemütlichen Hüttenabend und einer „entspannten“ Übernachtung, erwartete die Teilnehmer am nächsten Tag die Führung zum Hornbergl. 

Hierzu konnte die VDV-Gruppe Wolfgang Wiedemann M.Sc. von der Technischen Universität München, Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt - Lehrstuhl für Geodäsie, begrüßen.

Wolfgang Wiedemann betreut das Projekt Monitoring alpiner Naturgefahren am Hornbergl.

Die geologische Besonderheit in dem Gebiet am Hornbergl ist, dass unter dem Kalkstein eine Schicht mit hohem Mergelanteil liegt, so dass ein Teil des Berggipfels regelrecht abrutscht.

Im Jahr 1986 ging eine große Mure vom Hornbergl in Richtung Höfen ab. Zum Glück ohne größere Schäden anzurichten. Zudem folgte eine Verbauung des Murenbaches im Tal. 

Aus diesem Grund erfolgt seit 1987 das geodätische Monitoring des Gebietes. Seitdem wurden bereits 20 Messkampagnen durchgeführt. Diese werden jährlich durch Studenten der TUM in einer einwöchigen Messkampagne mit entsprechenden Aufgabenstellungen ausgeführt (je nach Projektvorgabe 3 bis 6 ECTS).

Die Messungen vor Ort  stellen logistische und auch körperliche Herausforderung dar, alleine nur um das erforderliche Messequipment (Sensoren, Empfänger, Batterien, Stative, etc.) zu den Beobachtungspunkten zu bringen ist in dem alpinen Gelände Ausdauer, Trittsicherheit, und Schwindelfreiheit gefragt. Zudem ist man zu den Messungen auch auf entsprechende Wetterbedingungen angewiesen. Während der Messwoche wurde dazu üblicherweise in einer nahen Hütte auf dem Berg übernachtet.

Die Messungen erfolgen mit unterschiedlichen Instrumentarien und Verfahren.

Neben der Beobachtung von klassischen terrestrischen Netzen wurden GNSS-Messungen zur Ergänzung und Verdichtung ausgeführt.

Zudem wurden in den letzten Jahren flächenhafte terrestrische Laserscanmessungen und Drohnenbefliegungen durchgeführt. Hier ist das Ziel, neben den Bewegungen der Hangrutschung, auch eine Modellierung zur Volumenbestimmung sturzgefährdeter Felsmassen zu ermöglichen.

Durch das Geodätische Institut der UniBW (Universität der Bundeswehr München) erfolgte der Ausbau eines Geosensornetzwerks mit Low-Cost GNSS mit ständiger Überwachung und direkter Verbindung ins Tal per WLAN.

Auch direkte Bandmaßmessungen zur Bestimmung von Kluftweiten werden durchgeführt. 

Die VDV-Gruppe wurde von Wolfgang Weidemann direkt zu den absturzgefährdeten Zonen geführt. Hier war bereits auf dem Weg dorthin beeindruckend zu erkennen, wie stark sich der Berg bewegt. Tiefe Spalten und Risse waren sichtbar, Bäume neigten sich zur Seite, Wurzeln lagen frei. Die Bewegungen sind auch durch „biologisches Monitoring“ erkennbar. Viele Nadelbäume weisen einen gekrümmten Stammfuß auf. Da Nadelbäume immer senkrecht nach oben wachsen, ist am gebogenen Stamm, dem Alter der Bäume und deren Neigung sichtbar, wie lange die Rutschung bereits andauert.

Die Geodätischen Überwachungsmessungen liefern natürlich exakte Zahlen der Bewegungen.

So wurden bei einzelnen Beobachtungspunkten Lageänderungen bis zu 24 cm pro Jahr und Kluftweitenänderungen von 1,44 m in 30 Jahren erfasst.

Bei diesen großen Bewegungen ist in dem zerklüfteten Gelände eine dauerhafte Punktsignalisierung äußerst schwierig und muss immer wieder erneuert werden.

Auf Grund des Klimawandels ist davon auszugehen, dass sich z. B. durch Starkregenereignisse oder den Rückgang des Permafrostes die Gefahrenlage in den Bergregionen noch verschärfen wird. Die Geodäsie kann hier Ihren Beitrag dazu leisten, frühzeitig Analysen durchzuführen, die Gefahrenlagen einzuschätzen und daraus Handlungskonzepte zu erarbeiten. 

Zum Abschluss wurde noch der Gipfel des Hornbergl erklommen und die Aussicht ins Tal genossen.

Im Panoramarestaurant an der Hahnenkammbergbahn gab es dann noch eine Stärkung vor der Heimreise.

Wir möchten hier nochmals Wolfgang Wiedemann für seine Bereitschaft danken, in seiner Freizeit diese interessante Führung für die VDV-Mitglieder zu halten. 

Vielen Dank auch an Lisa Knopp und dem Team aus dem Bezirk-Süd für die Organisation dieser informativen Exkursion.