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Buchvorstellung | Sankt Augustin im Bild historischer Landkarten vom 2. Juli 2019

Die Referenten Manfred Spata und Rolf Bull © Kurt Andrä
Die Referenten Manfred Spata und Rolf Bull © Kurt Andrä

3 + 1 wird 376

Diese Rechenoperation im Detail: Dank 3 x Vermessung und 1 x Geologie wurde nun das Buch „Sankt Augustin im Bild historischer Landkarten" mit 376 Seiten Umfang nach knapp 3 Jahren Recherchen vorgestellt. Von den vier Autoren waren Rolf Bull und Manfred Spata mit viel Bildmaterial zum Juli-Abend des VDV-Bonn erschienen.

Mit einer Auswahl der im Buch verwendeten rund 340 Karten wurde die kartographische  Geschichte des Bonner Gebietes bzw. des Rheinlandes von 1585 bis in die Neuzeit dargestellt.
Manfred Spata konnte bei den Karten des Rheinlandes von 1600 bis 1830 in Kartendetails „einsteigen", wie es nur ein kartenhistorischer Fachmann kann. Er zeigte u. a. Karten von

  • Matthias Quad, Diözese Köln, 1600, 1:570 000
  • Nicolas Sanson, Kurfürstentum Köln, 1674, 1:260 000
  • Vincenzo Coronelli, Kurfürstentum Köln, 1692, 1:190 000
  • Johann B. Homann, Kurfürstentum Köln, 1712/29
  • Erich Philipp Ploennies, Herzogtum Berg, Amt Löwenberg, 1715, 1:60 000
  • Johann Wilhelm Abraham Jaeger, Erzbistum Köln, 1789, 1:220 000
  • Carl Friedrich von Wiebeking, Herzogtum Berg, 1790/92
  • und natürlich die Tranchot-Müffling-Aufnahme, 1803-1828, 1:20 000

in denen er inhaltliche Details, wie Grenzlinien, bauliche Befestigungen oder Signaturen erläuterte, deren nähere Bedeutung der normale Betrachter nicht erkennt.

Auf die Besonderheit, dass Bonn und Köln zur Zeit Napoleons zu Frankreich gehörten (und das ist erst knapp 200 Jahre her) und mit welchem Aufwand die französischen Militärkartographen das Rheinland im Bonner Gebiet erfassten, war ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrages.

Rolf Bull schloss daran an mit Kartenbeispielen aus dem Gebiet zwischen Bonn und Siegburg, seiner Heimatstadt Sankt Augustin. Ein Gebiet, das sich in den letzten 100 Jahren aus einer dörflichen Gemeindestruktur zu einer 50.000-Einwohnerstadt entwickelt hat. Er begann mit seinem persönlichen Favoriten, der Karte des Rheinstroms von Caspar Vopel von 1558, die auf 155 cm den Rhein vom Bodensee bis zur Mündung mit einer Vielzahl an Ortschaften und Wappen und einer umfasssenden Beschreibung darstellt. Viele dieser Orte gibt es heute mit etwas anderen Namen, wo die Zuhörer manchmal allerdings auch mal überlegen mussten. Weiter ging es dann mit Karten u. a. über

  • den klösterlichen Besitz, die viel über die rechtsrheinische Geschichte aussagen
  • die Uraufnahme 1825-28 der einzelnen heutigen Stadtteile
  • alte Katasterkarten aus der Zeit um 1845
  • Karten und Luftbilder die das Wachsen der heutigen Stadt Sankt Augustin in den letzten 150 Jahren eindrucksvoll zeigten
  • Karten des Hangelarer Flugplatzes, vom Ödland zum Luftlandeplatz
  • die Straßenbahnverbindung Bonn nach Siegburg
  • die Postwegekarte von 1870 in der die Wege der Landbriefträger mit Laufrichtung verzeichnet waren

schloss er den zweistündigen Vortrag ab und gab die Diskussion frei.
Abschließend gab es noch die aktuelle Information von Manfred Spata, dass in der Woche drauf in Dortmund-Aplerbeck ein Denkmal des geographischen Mittelpunktes von NRW enthüllt wird. Er und Kollege Burckhardt Ahrens (früher LVermA NRW) werden dort teilnehmen, da sie an den Berechnungsverfahren beteiligt waren.

Text: Monika Pitzen