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500 Jahre Gerhard Mercator - Die Duisburger Sammlung neu präsentiert

27.04.2012 Bezirk Duisburg Von Adalbert Nagel vor 8 Jahr(en)


Bild 1: Werner Pöhling bei seinem Vortrag

Bild 2: Werner Pöhling erklärt den seinerzeit größten Erd-Globus von 1551

Bild 3: Die Weltkarte von 1569

Bild 4: Die Gruppe des VDV-Bezirks Duisburg bestaunt die digitale Aufbereitung der Karten

Mercator lebt noch - Museumsbesuch in Duisburg

 

Die Biographie des berühmtesten Duisburgers ist schon bemerkenswert. Gerhard Mercator, geboren als Sohn eines Flanderner Schusters am 05.03.1512 wird in der einschlägigen Literatur als „ortsbeständiger Weltenbummler“ bezeichnet. Im zur damaligen Zeit hohen Alter von 82 Jahren - man bedenke, dass in Europa epidemische Krankheiten keine Seltenheit waren - wurde er zu Grabe getragen. Aber nun mal Eins nach dem Anderen.

 

Zwölf Mitglieder des VDV-Bezirks Duisburg wollten es sich am 27.04.2012 - dem Duisburger Mercatorjahr - nicht nehmen lassen, der Würdigung des großen und berühmten Kartografen in Form eines Museumsauftritts beizuwohnen. Das Kultur- und Stadthistorische Museum Duisburg lud für ein dreiviertel Jahr lang alle Landkartenbesessenen zu einem Besuch ein unter dem Motto „500 Jahre Gerhard Mercator - Mercators  Schätze - Die Duisburger Sammlung neu präsentiert“.

 

Der früh verwaiste junge  G h e e r t  K r e m e r  aus dem belgischen Rupelmonde, so erklärte es der Museumsführer Herr Werner Pöhling, von Hause aus Grabungstechniker, in leichter und lockerer Verbindlichkeit, sollte nach dem Willen seines reichen Onkels der Kirche dienen. Also studierte er zunächst mal die lateinische Sprache. Bald schon verlateinisierte er seinen Familiennamen in „Mercator“, was durchaus Sitte war in wissenschaftlich-geistigen Kreisen jener Zeit. Nicht lange dauerte es, dass sich
G e r a r d u s  M e r c a t o r, wie er sich auch nannte, zu einem Sinneswandel durchgerungen hatte. 1530, als Achtzehnjähriger, immatrikulierte er sich an der 1425 gegründeten Universität Löwen in der belgischen Provinz Brabant. Das Studienfach war, nicht wie es der Onkel geraten hatte Theologie, sondern Philosophie.

 

Das neue Lebens- und Weltgefühl der Renaissance, ausgehend von Italien bereits im 14. Jh., schwappte im 15. Jh. nach Mitteleuropa über und erreichte Ende dieses Jh.’s und Anfang des 16. Jh.’s den Westen Europas und die Ideen des Humanismus inspirierten den jungen Studiosus. Die in sämtlichen Lebens- und Geistesbereichen vollziehende Kulturwende führte geradezu zu einer Aufbruchstimmung. Bereits 1492 segelte C h r i s t o p h  K o l u m b u s  auf seiner 1. Reise mit der „Santa Maria“ über die Meere gen Kuba. Diese und seine anderen Reisen waren wohl mehr dem Zufall überlassen. Die Navigation war dürftig. Meeres- sowie Landkarten existierten noch nicht. Durch die Aufbruchstimmung bzw. Entdeckersucht der  Seefahrer erkannte Mercator schließlich seine Welt, so Herr Pöhling, der von seinem Äußeren gut in diese Zeit hinein gepasst hätte (Bild 1)!

 

Dieser inspirierte, junge Mercator folgte fortan der Idee, die Welt zu fassen, zu  beschreiben, letztendlich in Karten zu erfassen. Eine riesige Aufgabe, die dazu führte, dass er unendlich viele Beziehungen knüpfen musste. So knüpfte er Kontakte mit Seefahrern und Reisenden und musste wohl die gesammelten Angaben und Reiseberichte jener Zeitgenossen kritisch und akribisch auswerten und auf Plausibilität prüfen. Das nahm viel Zeit in Anspruch. Mercator verstand sich selbst als Weltbeschreiber, nicht als Weltenbummler. Für langwierige „Welt“-Reisen hatte er also keine Zeit.1538, mit 26 Jahren, veröffentlichte er seine erste Weltkarte. Es folgte 1551 die Erstellung des ersten Globus, 10 Jahre später präsentierte er den ersten Himmelsglobus (1561). Da die Herstellung sehr mühsam und zeitintensiv war, fertigte er nur wenige Exemplare. Nur Gutbetuchte konnten sich einen Globus von Mercator leisten. Werner Pöhling (Bild 2) deutet in seiner in neuem Glanze erstrahlenden “Schatzkammer“, besser Dunkelkammer - aber schonend für Karten und Schriften - , auf das 41 cm im Durchmesser messende „gute Stück“, dem seinerzeit größten Globus der Welt.

 

Aus dem immer enger werdenden Land der Flamen zieht es Mercator 1551 fort und später 1552 an den Rhein nach Duisburg. Der Philosoph, Mathematiker, Geo- und Kartograph verdient hier als Lehrer am heutigen Landfermann-Gymnasium sein Brot. Seine Leidenschaft gilt weiter der Kartographie. So entwickelte Gerhard Mercator im Jahr 1562 die große Europakarte i. M. 1: 4.360 000 und begründete damit seinen Ruf in ganz Europa. 1569 folgte seine berühmte Weltkarte (Foto 3), ein Meisterwerk namens …ad usum navigantium…. Diese winkeltreue „Mercator-Projektion“ verhalf vielen Seefahrern die Meere sicher zu kreuzen. Und erschwinglich war sie, die neue Weltkarte. Bis zu seinem Lebensende arbeitet Mercator mit Frau und seinen noch verbliebenen Kindern - ursprünglich waren es 6 - an seinem Hauptwerk, dem Atlas. Dieses Werk konnte er nicht mehr vollenden. Nach seinem Tode 1594 führten seine Kinder die Geschäfte mit den Karten weiter und vollendeten das Hauptwerk. Das hohe Alter des G e r h a r d  M e r c a t o r  zeugt auch für Lebenserfüllung und -zufriedenheit trotz einiger Hindernisse. Seine Klugheit und sein Weltbild brachten ihm Neid und Verachtung in erster Linie bei anderen Theologen ein. Man warf ihn kurzerhand in den Kerker. Vorwurf: Ketzerei.

 

Noch heute ist die Erfindung von Mercator wichtig für Flugzeuge, Schiffe, Satelliten und last not but least für die Stadt Duisburg das wichtigste Aushängeschild. Man kann konstatieren: Nicht nur seine Leistung in der Vergangenheit hatte einen hohen Stellenwert, sondern man bedient sich auch der Leistung in der Gegenwart und sicherlich auch in der Zukunft. Also kann man mit Fug und Recht sagen: Mercator lebt noch!

 

Wir bedanken uns bei Herrn Pöhling für sein Engagement und für die Beantwortung zahlreicher Fragen (Bild 4). So sind wir dem Herrn mit der markanten Mütze und dem Rauschebart ein wenig näher gekommen. 2 Stunden intensivster Museumsinformationen ließen sich gut ertragen. Die Post würdigte Gerhard Mercator 2012 zum 500. Geburtstag mit einer Sondermarke.