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200 Jahre metrisches Maßsystem in Hessen

02.07.2018 Nachrichten Von STAATSARCHIV DARMSTADT vor 1 Jahr(en)


Termin: 01.07.2018
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Am 1. Juli 1818 war es endlich soweit: Das am 10. Dezember 1817 verabschiedete Gesetz des Großherzogtums Hessen zur Einführung eines neuen Maß- und Gewichtssystems trat in Kraft. Die Eingangsworte des Gesetzestextes sagen bereits viel: „Zur Beseitigung der großen Nachtheile, welche durch die außerordentliche Verschiedenheit der Maße und Gewichte in Unserm Großherzogthum veranlaßt werden, haben Wir nachstehendes Maaß- und Gewichtssystem einzuführen beschlossen...“ (HStAD Best. E 3 a Nr. 13/13; mit Digitalisat der Verordnung)

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte nahezu jede Stadt und Gemeinde ihre eigenen Maße und Gewichte, was trotz der damit verbundenen Nachteile von Zünften und Kaufleuten auch als Schutz gegen die Konkurrenz angesehen wurde. Im Gebiet des späteren Großherzogtums Hessen existierten etwa 40 verschiedene Mutter-Ellen, 130 verschiedene Fruchtmaße und etwa 80 unterschiedliche Flüssigkeitsmaße. Die Länge eines Fußes variierte zwischen 22 cm und 53 cm, die der Elle zwischen 54 cm und 119 cm. Umständliche Umrechnungen z.B. des Fruchtmaßes des Fürstentums Starkenburg auf das Darmstäder Mutter-Eichmaß oder des Lindenfelser in das Darmstädter Amtsfruchtmaß machten Verwaltung und Bevölkerung das Leben schwer.
Ein Untertan aus dem benachbarten Frankfurt formulierte es 1811 so: „Muß nicht ein denkender, sich vor Betrug sichern wollender Familienvater seine ganze Denkkraft auf diesen einzigen Titel der Maaß-Kunde werfen? Muß er nicht sein halbes Hauß von Gewichten vollpfropfen und welchen Nutzen hat wohl davon der Unterthan, welchen der Staat?“ Als 1816 auch noch die linksrheinischen, vorher unter französischer Verwaltung stehenden, Gebiete mit eigenem Maß- und Gewichtssystem zum Großherzogtum hinzukamen, wurde eine Vereinheitlichung der Maße und Gewichte schließlich unumgänglich.