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Besichtigung Burg Blankenheim / Regierungsbunker

10.10.2009 Bezirk Wuppertal Von Heiko Krohm vor 10 Jahr(en)


Termin: 09.10.2009 - 10.10.2009
Ort: Blankenheim / Bad Neuenahr-Ahrweiler


Teilnehmer vor der Burg Blankenheim

Die symbolische Uhr im Regierungsbunker

VDV-Tour Eifel: „Mittelalter“ trifft „Aufbaujahre“ oder „Tiergarten-Tunnel“ trifft „Regierungsbunker“

 

Inspiriert durch das Buch "Der Ratz im Rohr" unseres VDV-Kollegen Dr. Klaus Grewe haben sich Mitglieder des VDV-Bezirkes Wuppertal und des VDV-Bezirkes Hagen am 10./11.10.09 auf den Weg gemacht, um eine spätmittelalterliche Ingenieurleistung genauer kennen zu lernen: Den "Tiergarten-Tunnel", der im ausgehenden Mittelalter die Wasserversorgung der Burg Blankenheim sicherstellte.

Nach einer Führung durch die Burganlage (heute Jugendherberge) wurden die Ausgrabungsstellen des "Tiergarten-Tunnels" besichtigt und die Entstehung und Geschichte des Bauwerks durch Herrn Klatt erläutert. Der ca. 150m lange Tiergarten-Tunnel wurde mit einer Bautechnik erstellt, die ihre Wurzeln in der Frühzeit der 3000jährigen Geschichte des Tunnelbaus hat: das Qanat-Verfahren. Hiernach baute man schon im alten Persien kilometerlange Tunnel zur Wasserversorgung der Oasen, und auch die Römer haben diese Technik gerne angewandt, weil durch die Aufteilung der Tunneltrasse in mehrere kurze Baulose die Richtungsfehler beim Vortrieb unter Tage minimiert werden konnten. In Blankenheim hatten die mittelalterlichen Tunnelbauer die Trasse in sechs Abschnitte unterteilt, so dass man den Tunnel nicht nur von den beiden Endlöchern aus, sondern von fünf Bauschächten aus auffahren konnte. Also im Gegensatz zum so genannten Gegenortverfahren, wo der Tunnelvortrieb von zwei Seiten aus in Angriff genommen wird. Die Besonderheit dieser Wasserversorgung ist die Durchquerung des Tales, bei der ein Höhenunterschied von ca. 1m auf 550m zu überwinden war. Das Gefälle liegt somit bei knapp 0,2%. Der Tiergartentunnel selbst hat so gut wie kein Gefälle. Trotzdem war die Wasserversorgung aus der „Alten Quelle“ bis zu der ca. 1km entfernten Burg gewährleistet.

Im Anschluss an die technikgeschichtliche Führung zeigte uns Herr Klatt das reizvolle mittelalterliche Eifelörtchen Blankenheim, das in der Quelle der Ahr und der alten Grafenburg seine Hauptattraktionen hat. Der Ort wurde urkundlich erstmals am 23. Juni 721 als "blancio" erwähnt. Über der Ahrquelle konnten die Teilnehmer/innen in dem gleichnamigen Cafe die ersten Eindrücke in gemütlicher Runde verarbeiten. Ein geselliger Abend in „weinseeliger Stimmung“ (...die Ahr ist bekanntlich Anbaugebiet für hervorragende Rebsorten) ließ den ereignisreichen ersten Tag ausklingen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel "Kölner Hof" wurde die Heimfahrt angetreten. Diese führte aber zunächst über die Gemeinde Mahlberg (ehemalige VDV-Bildungsstätte) und dem Radioteleskop Effelsberg (Durchmesser 100 bis 110m und 29 Jahre das größte bewegliche Radioteleskop der Erde) nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo die Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ unter der Führung von Herrn Unternbäumen besichtigt wurde. Gebaut in der Zeit des Kalten Krieges, kam der Bunkeranlage des Bundes die Aufgabe zu, im Kriegs- und Krisenfall die Regierung aufzunehmen. Von hier sollte sie geschützt und von der Hauptstadt abgesetzt ihre Arbeit fortsetzen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges wurde dieser Ausweichsitz nicht mehr gebraucht und aufgegeben. Schon die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Ludwig Erhardt sowie Bundesminister, Staatssekretäre und bekannte und weniger bekannte Größen der Politik gingen dort über die Flure. Das riesige Tunnellabyrinth an der Ahr mit seiner urbanen Ausstrahlungskraft ist ein gedankliches Abbild der realen Angst vor dem Atomkrieg der 60er Jahre aus Beton und reichlich Technik. Alle noch hängenden Uhren in der Bunkeranlage zeigen symbolisch die damalige Zeit von “ 5 vor 12 “ an. Ein ausführlicher Bericht der Dokumentationsstätte Regierungsbunker ist von den Kollegen des Bezirkes Bonn im VDVmagazin 5/2009 erschienen.

Nach diesem spannenden Exkurs in die Geschichte der BRD wurde die Heimfahrt fortgesetzt und eine eindrucksvolle Veranstaltung beendet. Trotz des hochinteressanten Themas und attraktiven Exkursionszieles ließen sich leider nur wenige Kolleginnen und Kollegen des VDV-Bezirkes Wuppertal inspirieren. So war es nur einer kleinen Delegation aus Wuppertal und einigen Gästen aus dem VDV-Bezirk Hagen vergönnt, die Eindrücke und Erlebnisse einer außergewöhnlichen VDV-Fahrt zu genießen.