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Besichtigung der Baustelle der Ortsumgehung Nottuln

09.01.2017 Bezirk Münsterland Von Hubert Bröcker vor 3 Jahr(en)


Termin: 23.09.2016 15:00
Ort: Nottuln


Bildmitte: Firmeninhaber Udo Bertels mit dem Multikopter, links davon Bezirksvorsitzende Anke Thielisch

Der VDV-Bezirk Münsterland hatte zu einer Besichtigung einer aktuellen Straßenbaustelle im September 2016 eingeladen. Die Anwendung eines unbemannten Flugsystems bei der Bauvermessung im Zuge des Neubaus der Ortsumgehung B 525 Nottuln sollte theoretisch wie auch praktisch im Einsatz gezeigt werden.

Im Baubüro von Straßen.NRW fanden sich die angemeldeten Mitglieder ein. Hier wurde vom vermessungstechnischen Ingenieurbüro Bertels aus Münster die Theorie in einem provisorisch eingerichteten Vortragsraum vorgestellt. Das Ing.-Büro Bertels GmbH ist seit einiger Zeit in der Anwendung von UAV im Baubereich unterwegs. Der Inhaber Udo Bertels stellte persönlich das Gesamtbauprojekt B 525 Nottuln und den Einsatz von UAV auf dieser Baustelle vor. Sein Büro hatte den Auftrag, die gesamte Bauvermessung für die bauausführende Firma durchzuführen. Da das Büro Bertels bereits Erfahrungen über UAV-Bauvermessungen verfügte, wurde dieses als Alternative zur herkömmlichen vermessungstechnischen Methode angeboten. Mit entsprechenden Vorgaben seitens des Bauherrn wurde die alternative Vermessungsarbeit akzeptiert.

Zunächst gab es für alle Teilnehmer erst mal einen Überblick über die Baumaßnahme selbst. Mit einer Länge von ca. 5 km und nochmals ca. 3 km Straßenlänge der kreuzenden Straßen und Wege wurde schon zu Beginn deutlich, welche umfänglichen Vermessungsarbeiten für den Bau zu leisten sind. Die Erstellung der Brückenbauwerke war schon in den Jahren zuvor durchgeführt worden. Nun stand der Streckenbau an, der voraussichtlich Ende 2017 fertiggestellt wird.

In seinen Ausführungen wurden die Grundlagen der Befliegung mit einem UAS als Messprogramm erklärt. Vor der eigentlichen Befliegung müssen Genauigkeitsanforderungen festgelegt werden, ebenso die Parameter für die Flugplanung wie z. B. Bodenauflösung, Flughöhe, Überlappung und Intervall der Bilder. Schon vorweg sind die Passpunkte zu bestimmen, zu signalisieren und einzumessen. Dann kann geflogen werden, aber nur wenn das Wetter mitspielt und die Fluggenehmigung der Luftaufsicht und des Eigentümers (Bauherr) vorliegt. Also viele Vorüberlegungen sind zu treffen bevor mit der eigentlichen örtlichen (Flug-)Vermessungsarbeit angefangen werden kann.

So wurde in dieser Baustelle das Urgelände mit dem UAS aufgenommen. Die Auswertung des Bildverbandes, der 3D-Punktwolken und der Orthophotos ergab ein DGM als Urgeländehorizont. Basierend hierauf konnte mit den digitalen Daten des Bauherrn zur Ausführungsplanung eine Maschinensteuerungs-DGM gerechnet werden. Hiermit konnten nun zu jeder Zeit die Baumaschinen das geplante Bauprojekt digital vor Ort im Erdreich bearbeiten.

Die Bildaufnahmen wurden mit dem Multikopter Aibotix X6 durchgeführt. Dieser ist mit dem Sensor Sony a7R ausgestattet und erreicht eine Flughöhe von 75m und eine Fluggeschwindigkeit von 6m/s. 

Maßgebend für die Aufnahme des Urgeländes waren die gesamte Flugplanung mit ca. 20 Flügen und die Verteilung der Passpunkte auf der gesamten Länge des Bauprojektes. Bei der Auswertung entstand ein Bildverband von 1853 Fotos und eine 3D-Punktwolke mit ca. 1 Mrd. Punkten um ein DGM des Urgeländes zu berechnen. Mit der Verschneidung der Bauausführungsplanung und des Urgeländehorizontes konnte somit eine Maschinensteuerungs-DGM (Planumshorizont) für das gesamte Bauprojekt erstellt werden. Anhand von ausführlichen Darstellungen des Vortragenden waren die Teilnehmer in der Lage diese einzelnen Rechenschritte und Umsetzungen nachvollziehen. Selbstverständlich wurden die bisher durchgeführten baulichen Umsetzungen durch die Baumaschinen mittels tachymetrischer Geländeaufnahme kontrolliert und mit den Ergebnissen aus dem UAS verglichen. Die Differenzen nach Lage und Höhe ergaben eine Wert von +- 2 bis 3 cm. Mit diesem Ergebnis waren alle beteiligten Firmen und der Bauherr zufrieden.

Nach einem kleinen Ortswechsel verbunden mit dem Anlegen von Sicherheitsschuhen und -bekleidung ging es bei schönem Wetter auf die eigentliche Baustelle. Dort konnten alle Teilnehmer sich über den bisherigen laufenden Baufortschritt einen Eindruck verschaffen. Trotz des späten Freitagnachmittags waren noch Bauarbeiten mit einem Gräder zu sehen. Mit dem theoretischen Wissen und den ausführlichen Erläuterungen vor Ort verließen die Teilnehmer die Baustelle. Es bleibt festzustellen, dass noch viele UAV-Projekte Unikate sind und viel individuelles Fachwissen erfordern. Nach Abschluss der Veranstaltung mit dem gemeinsamen Foto unter dem Brückenbauwerk Nonnenbachtal wurde dem Ingenieurbüro Bertels einen großen Dank ausgesprochen für einen interessanten und lehrreichen Einblick in die Welt der Bauvermessung mittels UAV.