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Besichtigung: Neubau Steinkohlekraftwerk Walsum

08.06.2009 Bezirk Duisburg Von Adalbert Nagel vor 11 Jahr(en)


Termin: 08.06.2009 12:00
Ort: Fläche 8a, Dr.-Wilhelm-Roelen-Str., 47179 Duisburg


Bild 1: Auftragen der Schutzemulsion im Gasometer in luftiger Höhe

Bild 2: Der Bauleiter erläutert die diversen Arbeiten im Gasometer

Bild 3: Die Kraftwerksturbine, Herzstück von Block 10

Bild 4: Schweißarbeiten im Maschinengebäude.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besichtigung: Neubau Steinkohlekraftwerk Block Walsum 10

 

Der ständige Blick von der eigenen Wohnung zur Baustelle Steinkohlekraftwerk Block Walsum 10 und somit zum langsam heranwachsenden gigantischen Kühlturm, der eine fertige Höhe von 181 m über Gelände erreichen soll, veranlasste einige Kollegen im VDV-Bezirk Duisburg den Vorschlag zu machen, sich das ganze Spektakel doch mal aus nächster Nähe zu betrachten. Anfang April bereits durch den Kollegen Gerhard Höfkens eingefädelt, trafen sich 15 Verbandsmitglieder im Projektbüro (Bauüberwachung) der Evonik Industries - Evonik Energy Services GmbH, eine 100%ige Tochter der Evonik Steag GmbH mit derzeit ca. 800 Mitarbeitern. Die Steag wurde bereits 1937 gegründet. Evonik Industries entstand laut Stiftungsmodell zu 74,99% aus der RAG-Stiftung (RAG = Ruhrkohle AG) und zu 25,01% aus dem Unternehmen CVC Capital Partners.

 

Nach reichlich Theorie über Sinn und Zweck des neuen Block 10 durch den Bauleiter Herrn Dr.-Ing. Hospital sollte zumindest das gesagt sein: Die Evonik Steag GmbH, Deutschlands fünftgrößter Stromerzeuger, betreibt seit Jahren das Heizkraftwerk Walsum im Nordwesten Duisburgs, direkt am rechtsrheinischen Ufer gelegen. Sie ist sozu-sagen der Nachbar der linksrheinischen Stadt Rheinberg mit dem OT Orsoy. Der bestehende Block 9 wird auf der Basis von Steinkohle (wird aus Südafrika importiert) mit einer Feuerungswärmeleistung von 980,6 MW und einer elektrischen Leistung von 410 MWel betrieben. Der im Bau befindliche Block 10 stellt sich als hochmoderner Steinkohle-Kraftwerksblock der 750 Megawatt-Klasse dar und wird nach Fertigstellung Anfang 2010 das modernste Steinkohlekraftwerk Europas sein nach selbstentwickeltem Konzept „Clean Competitive Electricity from Coal“ (CCEC) und voraussichtlich mehr als 800 Mio Euro Baukosten verschlungen haben. Baubeginn war übrigens 2006. Bauzeit: 39 Monate. Evonik Steag GmbH und die EVN (Energie-Versorgung Niederrhein) AG sind ein börsennotiertes österreichisches Energie- und Infrastrukturunternehmen und haben 2005 eine Projektges. gegründet (Evonik Steag 51% und EVN 49%). Der erzeugte Strom soll von der EVN und der EnBW (EnergieBaden-Würtemberg) AG abgenommen werden.

 

Alsdann ging es mit der theoretischen Einstimmung, wie bereits angemerkt, schnurstracks in Richtung Baustelle und dort auf die Baustellen-Dominante, nämlich den gewaltigen Kühlturm zu. Über ein Stahltreppengerüst erreichten wir in ca. 10-15 m Höhe die Plattform über dem offenen Teil des Kühlturmes. Dr. Hospital führte uns etwa 20 m in den Kühlturm hinein. Von dort aus ließen wir zunächst erstaunt unsere Blicke schweifen, bevor wir dann die ersten Erklärungen unseres Bauleiters vernahmen. Hier im Innern mussten die Schutzbrillen aufgesetzt werden. Der voluminöse Raum strahlte eine außergewöhnliche Akustik ab. Wirklich gigantisch dieses Bauwerk. Der diame-trale Abstand von unserem Standpunkt zur gegenüberliegenden Wand betrug noch gute 100 m. Mehrere Meter dicke Rohrleitungen waren im Inneren verlegt. Da sie in großer Höhe in der Kühlturmwand eingebaut waren, erschienen sie aus unserer Sicht dennoch sehr klein. Zur Orientierung der Bauleute für ihre diversen Arbeiten sind  auf dem Beton alle 5 m Höhenmarkierungen angebracht. Die letzte Markierung müsste in 170 m Höhe aufgemalt sein. Mit bloßem Auge konnte sie nicht mehr ausgemacht werden. In schwindelerregender Höhe brachten gerade Spezialisten eine Schutzemulsion auf den rohen Beton auf, auf Arbeitsbühnen stehend und an Stahlseilen hängend (Bild 1). Auch hier bringt Dr.-Ing. Hospital sein umfangreiches Wissen den staunenden Vermessungsingenieuren nahe (Bild 2). Was an Vermessungsleistung beim Bau des Kühlturmes zu erbringen war, angefangen von der Erstellung des Fundamentes bis zur Abnahme der Schalung des letzten Ringes, lässt uns nur erahnen.

Aufgabe des Kühlturms: Von außen eingeführtes heißes Wasser tropft abwärts und wird durch von unten kommende Luft und durch Verdunsten (Verdunstungskälte) abgekühlt. Heiße Dämpfe und Gase dagegen lässt man von unten in den Kühlturm eintreten und kühlt sie durch von oben entgegenrieselndes Wasser.

 

Der nächste Weg führte ins Maschinengebäude bis zur großen Kraftwerksturbine, dem Herzstück von Block 10 (Bild 3). An allen Ecken und Enden im Gebäude wird noch geschweißt (Bild 4). Man ist vom Umfang der auszuführenden Arbeiten und den Dimensionen sehr beindruckt und fragt sich: wo stecken nur die mehr als 800 Mio Euro dieser Großbaustelle im Einzelnen?

 

Zum Abschluss der Besichtigung gegen 17.00 Uhr machten wir noch einen Rundgang durch die höchste „Besucheretage“, den Blick stets auf überstehende Gerüststangen gerichtet, die einem ahnungslosen Besucher zum Verhängnis werden könnten. Vorsorglich war ja Schutzhelmpflicht. Bei herrlichem Sonnenwetter und in luftiger Höhe hatten die Hobbyfotografen wieder ihren Finger am Auslöser der Digitalkamera. Die Aussicht auf den Rhein, den Nordhafen Walsum und die nachbarschaftliche Industriekultur, das alles lässt uns gerne auf das Ereignis zurückblicken. Vier Stunden gut angelegtes Freizeitvergnügen. Da waren sich die 15 VDV-Mitglieder einig.

 




Dateien:
Info_Walsum10_d.pdf132 K