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Bodenordnung im Rahmen der Lippe-Renaturierung

21.06.2019 Bezirk Soest Von Ulf Meyer-Dietrich vor 146 Tagen


Termin: 22.05.2019 16:30
Ort: Wadersloh


An der Lippe zwischen der Quelle in Bad Lippspringe und der Brücke in Lippetal-Lippborg wurden in der Vergangenheit einige Maßnahmen zur Renaturierung der Lippe und ihrer Aue umgesetzt. Ralf Helle und Andreas Barden von der für Flurbereinigung zuständigen Bezirksregierung Arnsberg (Dezernat 33, ehemals Amt für Agrarordnung) konnten für den VDV-Bezirk Soest gewonnen werden, um die dafür erforderliche Flächenbereitstellung durch Flurbereinigung zu erläutern. Ulrich Detering vom Dezernat Wasserwirtschaft rundete inhaltlich das Programm ab und konnte viele Details zum Projekt der Lipperenaturierung und Hochwasserschutz beisteuern.

Die Lippe wurde zwischen 1996 und 2012 auf einer Länge von insgesamt 14 km rückgebaut. Der Fluss kann nun mit seiner Dynamik die Landschaft gestalten. Die eindrucksvolle Exkursion führte in den Bereich westlich der Lippstädter Innenstadt bis Benninghausen, der sog. Hellinghäuser Mersch.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde die Lippe immer wieder den Bedürfnissen der Menschen angepasst. Schifffahrt, Intensivierung der Landwirtschaft und Wasserkraftnutzung verlangten nach einem schmalen, befestigten und damit pflegeleichten Fluss. Immer seltener trat der Fluss über die Ufer und überflutete seine Aue.

Seit 1990 arbeiten Landwirtschaft und Naturschutz, Wasserwirtschaft und Kommunen und viele andere gemeinsam an einer lebendigen Lippe. In einem großen Bodenordnungsverfahren konnten in Abstimmung mit der Landwirtschaft große Flächen der Lippeaue erworben werden. In der Klostermersch und der Hellinghäuser Mersch westlich von Lippstadt wurde die Lippe von den Fesseln der Vergangenheit befreit. Heute entwickelt sich dort das typische, flache Flussbett eines Sand geprägten Tieflandflusses. Die Auen sind aktiviert und stehen bereit, das Hochwasser aufzunehmen. Über Nebenrinnen werden tief liegende Flächen der Aue früh geflutet, die typische Vernetzung zwischen Fluss und Aue ist wieder da.

Besonders schnell haben die Fische auf den Umbau und die Entwicklung reagiert. Selbst seltene Fischarten profitieren von der Strukturvielfalt und vermehren sich kräftig.

In der Aue entwickelt sich eine Naturlandschaft. Eine kleine Herde von Taurusrindern - eine Züchtung, die den ausgestorbenen Auerochsen ähnelt - und Konikpferde sorgen für ein Mosaik aus waldigen und offenen Bereichen.

Die Baukosten von 9 Millionen € wurden vom Land finanziert. Die Stadt Lippstadt, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Kreis Soest beteiligten sich mit Grundstücken.

Zum Weltwassertag am 22. März 2019 wurden die Veränderungen in insgesamt zwölf Videosequenzen sowie einer Broschüren zur Lippe präsentiert:

https://www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/n/naturnahe_fluesse/index.php

Auch der WDR hat darüber ausführlich berichtet:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/abenteuer-erde/video-an-den-ufern-der-lippe-100.html

Nach geplanten 2 Stunden, die aufgrund der vielen interessanten Infos letztlich 3 Stunden wurden, war noch Gelegenheit im Garten des Gasthof Loesmann auf der Heide mit den Referenten zu diskutieren.