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Building Information Modelling „BIM“

13.02.2016 Bezirk Essen Von Helmut Mertens vor 4 Jahr(en)


Termin: 01.03.2016 18:00
Ort: Essen


Bauprojekte mit BIM (Building Information Modelling)
praktische Erfahrungen, Stand der Entwicklung, Chancen und Probleme das war das Thema, zu dem der Vorsitzende des VDV-Bezirks Essen, Friedrich Koch, zwei kompetente Referenten gewinnen konnte.

Dr. Jan Tulke „Geschäftsführer der „planen-bauen 4.0 GmbH“, berichtete über den aktuellen Stand der Entwicklung und seine Erfahrungen bei der Durchführung von Bauprojekten mit BIM. Der Hochtief GIS-Experte (GIS=Geoinformationssystem), Dipl.-Ing Andreas Hesterkamp, erläuterte die Beziehungen zwischen BIM und Geodatenbanken und demonstrierte an einem Projekt der schwedischen Bundesbahn in Stockholm den beeindruckenden Vorsprung unserer nordischen Nachbarn.

Was versteht man unter BIM?

BIM (Building Information Modelling), ist kein spezielles Softwareprodukt, es handelt sich um eine neue Arbeitsmethode, für die eine marktübliche CAD Software eingesetzt wird. Den Kern von BIM bildet ein digitales 3D-Modell. Dieses 3D-Modell ist die gemeinsame Daten-Basis für alle, die an einem Projekt arbeiten.

Anders als bei einer herkömmlichen 2D-Planung, bei der die Bearbeitung in weitgehend unabhängigen Teilschritten erfolgt, wird bei der BIM Methode von allen Mitarbeitern im permanenten Zusammenwirken, ein konsistentes Modell geschaffen. Diese Teamarbeit führt zu einer Verbesserung der Planungsqualität damit auch zu einer besseren Termin- und Kostentreue.

Gemäß einer EU Richtlinie sollen alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union künftig die Nutzung von BIM bei der Realisierung von öffentlich finanzierten Bau- und Infrastrukturprojekten empfehlen. Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Finnland und Norwegen schreiben die Nutzung von BIM bei öffentlich finanzierten Bauvorhaben bereits vor.
Die britische Regierung schätzt, dass durch die Einführung von BIM seit 2012 bei den Projekten 1,7 Milliarden Pfund (in etwa 2 Milliarden Euro) eingespart wurden. Außerdem wurden die Aufträge der britischen Hauptbehörde für Bauvergabe zu 2/3 innerhalb des Budgetrahmens fertig gestellt.

In China, Nordamerika und der arabischen Welt ist BIM ebenfalls weit verbreitet. Insbesondere öffentliche Auftraggeber versprechen sich durch die Nutzung von BIM vor allem erhebliche Vorteile in punkto Termin- und Kostentreue.

In Deutschland spielt die „planen-bauen 4.0“ GmbH, deren Geschäftsführung der Referent Dr. Jan Tulke Anfang 2016 übernommen hat, bei der Einführung von BIM eine wichtige Rolle. Die GmbH wurde auf Empfehlung der Reformkommission „Bau von Großprojekten“, unter der Leitung von Bundesverkehrsminister (BMVI) Dobrindt, als Initiative aller relevanten Verbände und Kammerorganisationen gegründet mit dem Ziel, die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette Planen, Bauen und Betreiben, in Deutschland zu gestalten, zu koordinieren und zu unterstützen.

Der Bundesverkehrsminister unterstreicht die Bedeutung seiner Initiative unter anderem mit folgenden Worten:

„Wir starten eine Offensive zur Digitalisierung der Baubranche. Mit modernsten digitalen Methoden sollen Bauprojekte effizienter und im Zeit- und Kostenrahmen realisiert werden. …… mein Haus hat einen Stufenplan für das Planen und Bauen der Zukunft entwickelt, der BIM bis 2020 zum neuen Standard für Verkehrsinfrastrukturprojekte machen wird. Das ist eine Modernisierungsoffensive für die weltweit tätige deutsche Bauindustrie. Erst digital, dann real bauen.“

Damit sind auch in Deutschland die Weichen eindeutig Richtung BIM gestellt.

Als wichtige Hilfe für den Einstieg wurde im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) der „BIM Leitfaden für Deutschland“ erarbeitet.
http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZB/Auftragsforschung/3Rahmenbedingungen/2013/BIM Leitfaden/Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Dieser Leitfaden informiert über Methodik und Anforderungen, die bei der Einführung von BIM beachtet werden müssen.

Es folgen einige eher zufällig zusammengestellte Vorteile von BIM:

·         Die Erfahrung zeigt, durch BIM wird man nicht unbedingt schneller, aber man erreicht einen höheren
          Qualitätsstandard im Hinblick auf Bearbeitungstiefe, Datenaustausch und Koordination. Mengen und Kosten von
          Gewerken wie Maler, Installationen, Bodenbeläge können bei Änderungen automatisch aktualisiert werden.

·         Verbesserung der Termin- und Kostenkontrolle

·         Die Kommunikation zwischen den Beteiligten wird erleichtert und verbessert

·         Die Möglichkeit der Kollisionsprüfung ist ein weiteres, wichtiges Element von BIM.

·          Verringerung der Fehlerquote

·         Ein interaktives 4D Modell kann den Bauablauf transparenter darstellen, als es mit einem Balkenplan möglich ist. Die
          Ressourcen wie Aufzüge, Material und Personal können ebenso geplant werden, wie Mängel-Management und
          Qualitätsdokumentation.

·         „As-build“ Laserscans können zur Abnahme und Bauwerksüberwachung automatisiert mit dem Design-Modell
          abgeglichen werden.

·         In einem konsolidierten Modell können für den Betreiber sämtliche Bauwerksinformationen zusammengeführt
          werden.

Nachteile?

In der Einführungsphase ist ein zusätzlicher Aufwand für die Qualifizierung der Mitarbeiter, Definition von Datenstrukturen, Bezeichnungen, Attributen, u.a. einzukalkulieren.

 

Praktische Demonstration

Einen ersten Eindruck der Möglichkeiten von BIM vermittelte Andreas Hesterkamp bei der Demonstration des Projektes der schwedischen Eisenbahn. Die insgesamt 40GB Daten, die seitens des Auftraggebers der HOCHTIEF AG für die Angebotsbearbeitung eines Projektes in Stockholm zur Verfügung gestellt wurden, konnten dank der offenen Datenformate mit der bei Hochtief vorhandenen Hard- und Software ausgewertet und präsentiert werden, die Videofahrt durch das Projekt erinnerte dabei schon etwas an aktuelle Computerspiele.

Der routinierte Umgang mit großen Datenmengen und großen Software-Paketen, wie Autodesk, Revit, Map3D, Allplan, ArcGis, Konvertierungs- und Transformationsroutinen, erfordert Fähigkeiten, die in jahrelangen Erfahrungen erworben werden. Die aktuellen Geoinformatik Studiengänge können dafür eine gute Basis sein.

 

Fazit:

BIM ist ein Verfahren, das für einen Strukturwandel im Bauwesen steht, man kann es auch als digitales Bauen bezeichnen. Es ermöglicht erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen, erfordert aber auch von den Beteiligten eine erhöhte Lernbereitschaft.

Für jedes Projekt wird ein Regelwerk benötigt, das alle Arbeitsschritte verbindlich koordiniert. Um diese Vereinbarungen zu treffen, sollte frühzeitig ein erfahrener BIM-Manager hinzugezogen werden.

Für den sehr informativen Vortrag, die offene Diskussion und die freundliche Bewirtung im großen Sitzungssaal der Hochtief AG, möchte ich mich im Namen des VDV Bezirks Essen bei den Referenten Dr. Jan Tulke und Andreas Hesterkamp noch einmal ganz herzlich bedanken.