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Die aktuellen Entwicklungen in der Ingenieurvermessung

23.10.2016 Bezirk Essen Von Helmut Mertens vor 3 Jahr(en)


Termin: 27.09.2016 18:00
Ort: Essen


Hinten rechts der Referent ÖbVI Michael Petersen

Notizen zum Vortrag von ÖbVI Michael Petersen:

Als der Vorsitzende des VDV Bezirks Essen, Friedrich Koch, einen Vortrag des ÖbVI Petersen über dessen Aktivitäten im Bereich der Ingenieurvermessung gehört hatte, fasste er den Vorsatz, diesen Mann für einen Bezirksabend zu gewinnen. Am 27.09.2016 war es dann so weit, Michael Petersen landete mit seinem Tesla in Essen am Moltkeplatz 34. Im Haus Wilmes begann er seinen Vortrag mit einer kurzen Vorstellung der Firmengeschichte.

Das Ingenieurbüro für Vermessungsleistungen, ÖbVI Petersen, Gelsenkirchen, wurde im März 2003 im Rahmen eines Management-buy-out (MBO) der betrieblichen Vermessungsstelle der damaligen VEBA, heute E.ON, mit 27 Mitarbeitern in die Selbstständigkeit „entlassen“. Dass die Belegschaft aktuell bei 80 Personen liegt, spricht für sich und für das Management.

Von hoheitlichen Vermessungen über Markscheideraufgaben bis zur Ingenieurgeodäsie und Bauabrechnung wird die komplette Bandbreite der Vermessung abgedeckt, wobei die Ingenieurgeodäsie mit hochentwickelten, modernsten Messgeräten der Schwerpunkt ist.

Lasertracking, Laserscanner, Multikopter, Hochauflösende Laser-Kamera, Panorama Kamera, HDR Images ("High Dynamic Range), GPS, 3D Drucker, das sind Geräte bzw. Systeme, die als Synonyme für technischen Fortschritt stehen.

Zur Veranschaulichung stellte der Referent einige Projekte vor:

 

Aufmaß der Außengeometrie einer Dampfturbine.

Die Daten sollten den Konstrukteuren als Grundlage für Untersuchungen zu möglichen Leistungssteigerungen der Turbine dienen. Dieses Projekt war gleichzeitig auch ein Test zum Vergleich verschiedener Geräte. Es kamen zum Einsatz: 3D Hand-Scanner, Leica Scanner, Lasertracking, Laserkamera und Panoramakamera.

 

Präzise Bohrungen in einen Großbehälter aus Stahl.

Die Behältergeometrie wurde mittels Lasertracking erfasst. Auf Grundlage dieser Daten wurden die Bohrungen durch ein Konstruktionsbüro geplant. Die Absteckungsparameter für die Bohreransätze konnten so exakt bestimmt und auf den Behälter übertragen werden.

 

Kontrolle von Bohrungen an Monopipes (Stahlrohrtürme) von Windenergieanlagen.

Es galt, die Bohrungen daraufhin zu überprüfen, ob sie exakt zu den Ankerbolzen der Fundamente passen. Bauteile, die beim Aufsetzen klemmen, das zeigte der erste Versuch, lassen sich bei diesen Massen mit einem Mobil-Kran praktisch nicht mehr trennen. Konsequenz ist in dem Fall das Kappen der Ankerbolzen.
Die Aufmaße erfolgten mittels Laser-Tracker. Zahlreiche Bohrungen mussten danach korrigiert werden.

 

Setzungsmessungen auf einer BAB Fahrbahn unter Verkehr.

Im Zuge der Unterquerung einer BAB Strecke waren Setzungsmessungen auf der Fahrbahn durchzuführen. Für diese Aufgabe wurde ein Messfahrzeug u.a. mit Laserscanner und Weg-Geber ausgerüstet. So konnten die Messungen ohne Behinderung von Verkehr und Bauablauf durchgeführt werden.

 

Photogrammetrisches Aufmaß eines Parkplatzes.

Es galt, Bewegungen und Änderungen eines auf einer alten Deponie erbauten Parkplatzes zu erfassen mit dem Ziel, eine Gefährdung der Benutzer auszuschließen.

Das Terrain wurde mit einem 3D-Multikopter fotogrammetrisch aufgenommen, der Parkplatz später gesperrt.

 

Anhand dieser Beispiele veranschaulichte der Referent die vielfältigen Möglichkeiten der aktuellen Messtechniken. Zahlreiche Zwischenfragen und eine rege Diskussion bestätigten, dass er seine Zuhörer erreicht hatte.

 

Abschließend äußerte sich Petersen zu einigen ihm wichtigen Grundsatzfragen. So betonte er, dass bei der Ausbildung der Geomatiker die Fächer Mathematik und Physik auf keinen Fall vernachlässigt werden dürfen.

Des Weiteren sieht er Änderungsbedarf bei der Gebührenordnung (VermWertGebO), die seiner Erfahrung nach in vielen Fällen nicht zu einer auskömmlichen Vergütung führt.

 

Auch über das generelle Werbeverbot für ÖbVI müsse man nachdenken, da es für Büros mit vollständiger Bandbreite und Ingenieurvermessung als Schwerpunkt eine Benachteiligung darstellt.

 

Im Namen aller Teilnehmer möchte ich dem Referenten Michael Petersen noch einmal ganz herzlich dafür danken, dass er sich als vielbeschäftigter Manager die Zeit genommen hat, sein interessantes Thema dem VDV Bezirk Essen näher zu bringen. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und stets eine Ladestation in Reichweite (falls es jemand am Anfang überlesen haben sollte, Herr Petersen fährt einen Tesla).