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Die Soester Quellen

04.05.2010 Bezirk Soest Von Ulf Meyer-Dietrich vor 10 Jahr(en)


Termin: 04.05.2010 17:00
Ort: Rathaustreppe, Soest


Bezirk Soest erforscht „Soester Quellen“

Bei herrlichem Sonnenschein hat der VDV-Bezirk Soest am 04. Mai in der Soester Innenstadt die Quellen und den Oberlauf des Soestbaches besichtigt. Der ehemalige Leiter der Abteilung Straßen, Gewässer, Grün der Stadt Soest, Rolf Lohmann erläuterte dabei die erfolgreiche ökologische Verbesserung des Soestbachs in den letzten Jahren. Angefangen bei einigen der Quellen in der Soester Altstadt – teilweise von Schachtbauwerken umschlossen – ging die Führung überdie bereits fertig gestellten Bereiche zum aktuellen Baustellenbereich.

  

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Soestbach im Zuge der Kanalisierung zum Abwasserkanal und unter die Erde verbannt. Die noch offenen Bereiche wurden in Betonhalbschalen, sog. Emscherrinnen, gepresst. Auch die über 20 Süß- und Salzwasserquellen – eine echte Besonderheit – wurden verrohrt, gefasst, technisch ausgebaut oder zum Tretbecken umfunktioniert.

1991 beschloss die Stadt Soest, dem Soestbach sein ursprüngliches Gesicht weitgehend zurückzugeben. Von den Quellen bis zur Mündung sollte das Stadtgewässer wieder in einen naturnahen Zustand versetzt und im gesamten Stadtgebiet offengelegt werden.

 

Beispielhaft erklärte Rolf Lohmann anhand vieler Details die wichtigsten Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen: Die im Vergleich zum Ursprungszustand tiefer gelegte Sohle wurde wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben. Variierende Untergrundstrukturen mit tiefen und flachen Stellen, „Störsteinen“ und verschiedenen Substraten sorgen dafür, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten eine Heimat finden können. Auch die Bepflanzung fördert die Ausbildung differenzierter Lebensräume. Wo immer möglich, wurde der Soestbach verbreitert, damit das Wasser unterschiedlich schnell fließt und so unterschiedliche Bedingungen für Flora und Fauna entstehen.

An den verbreiterten Stellen führen Treppen hinunter ans Wasser. Große Steine im Wasser und am Ufer laden zum Spielen und Verweilen ein. Die alten Betoneinfassungen wichen einer abwechslungsreich gestalteten Uferböschung und einer Natursteinmauer, die sich in das Stadtbild einfügt. Dazu wurden auch fünf Quellen wieder freigelegt.

 

Die erfolgreiche ökologische Verbesserung des Soestbachs geht nun in die nächste Runde: Momentan wird ein weiterer Teil des Bachs im inzwischen 3. Bauabschnitt völlig neu gestaltet. Herzstück dieses Abschnitts ist ein neuer, barrierefreier Uferweg. Vor und hinter den Kulissen der historischen Fachwerkhäuser sorgt die naturnahe Gestaltung für einen zusätzlichen Blickfang.

 

Die vermessungstechnischen Arbeiten zur Bauüberwachung werden vom Vermessungsbüro Ludwig&Schwefer durchgeführt. Ein besonderes Augenmerk wird natürlich auf die Fachwerkhäuser der historischen Altstadt gelegt. Durch kontinuierliche Beobachtungen sollen mögliche Setzungen kurzfristig erkannt und deren Ursachen behoben werden können, um Schäden zu minimieren.

Die Entwicklung des Soestbachs gilt bei vielen Fachleuten inzwischen als bundesweites Musterbeispiel für eine gelungene gewässerorientierte Stadtplanung.