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Einladung ins „Cafe´ im Himmel"

07.05.2015 Bezirk Nord (Koblenz) Von Tilo Groß vor 5 Jahr(en)


Termin: 07.05.2015 18:00-20:00
Ort: Braubach


Absteckungsarbeiten auf dem Stahlbau der Bergstation (Bild: J. Weber)

Die fast fertige Bergstation – auch die Fassadenelemente der auskragenden Untersicht waren vor der Montage abzustecken. (Bild: J. Weber)

Die neue Bergstation der Wildspitzbahn (Bild: J. Weber)

Jürgen und Marlene Weber (Bild: T. Groß)

„Eins Plus“ für messpunktplus

 

Eine „Eins Plus“ für Dipl.-Ing. Jürgen Weber und sein Team von messpunktplus, so das einhellige Fazit der nachhaltig beeindruckten Teilnehmer der jüngsten Veranstaltung des VDV-Bezirk Nord am 07. Mai 2015. Die Projekte des Büros aus Unnau im Westerwald, dass sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Fassadenvermessung internationales Renommee erworben hat, stammen vielfach aus der Feder von Top- Architekten mit einem ausgeprägten Hang zu freigeplanten Fassadenformen.

 

Ob Porsche Museum Stuttgart, EZB- Neubau Frankfurt, The Softbridge Building Oxford, das Haus der Astronomie Heidelberg, die Fondation Jérôme Seydoux – Pathé Paris, oder, oder, oder. Sie alle zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie eines garantiert nicht sind – gerade oder gar rechtwinklig, wie es der Geodät gemeinhin schätzt.

 

Wer sich bis hierhin noch nicht so ganz vorstellen kann, wie fantasievoll diese Gebäude und ihre Fassaden gestaltet sind, dem sei vor dem Weiterlesen der Blick auf die Homepage von www.messpunktplus.de dringend empfohlen. Spätestens dann ist zu erahnen, welche teils extremen Anforderungen die exakte Fertigung und Montage der meist aus Glas oder Edelstahlblech bestehenden Fassadenteile an die baubegleitende Ingenieurvermessung stellen. Jürgen Weber ist es gelungen, diese Anforderungen den sogar aus der Nähe von Heidelberg nach Koblenz angereisten Besuchern an diesem Abend eindrucksvoll zu vermitteln.

 

Möglich wird die Planung, Bauausführung und Vermessung solcher Geometrien nur durch die Verwendung von 3-D Modellen, so der Referent. Jede der oft in die tausende gehenden Halterungen, die i.d.R. auf eine Stahlbau-Unterkonstruktion aufgebracht werden und später die Fassadenteile aufnehmen, erfordert dabei eine individuelle Berechnung im Abgleich mit der Solllage des 3-D Modells und eine räumliche Absteckung mit Angaben für die Monteure. Das heißt, es ist nicht nur die Lage der Montagepunkte abzustecken, sondern auch die Richtung der aufnehmenden Fassadenhalterungen für die Montage anzugeben.  Im Falle des Projektes „Wildspitzbahn“ bedeutete dies allein rd. 13.000 Maßskizzen für die  Monteure. Eine hochpräzise Sisyphusarbeit, sollen die vorgefertigten Fassadenteile später doch nahtlos passen. Voraussetzung hierfür ist, dass man sich jederzeit mit der erforderlichen Genauigkeit im 3-D-Modell positioniert. Idealerweise bewegen sie sich hierzu in einem stabilen Punktfeld mit ausreichend Punkten und Sichten.

 

Was tun Sie aber, wenn sie sich auf einer Felsspitze befinden, die 3.440 m hoch in den Ötztaler Alpen liegt, ohnehin kaum Platz bietet und zusätzlich noch bebaut werden soll?

Dann sind sie auf der Baustelle der Wildspitzbahn, die Jürgen Weber mit seinem Team und dazu gehört im Wortsinne „Maß gebend“ seine Frau Marlene, im Jahr 2012 begleitet hat und sie müssen sich für die jeweilige Stationierung in und auf den Stahlskeletten etwas einfallen lassen.

 

Innerhalb von 6 Monaten wurde auf 2.800 m eine neue Tal- und auf  3.440 m  eine neue Bergstation für die Wildspitzbahn errichtet. Ein paar kleine Fakten dazu: Die tägliche Anfahrt zur Baustelle betrug je nach Wetter und Transportkapazität mit Lift, Pistenraupe oder ATV 1 - 2 Stunden. Schneeeinbrüche mit Minusgraden bis in den August hinein erschwerten die Arbeiten und die Baustelle war so klein, dass Container, Minibagger  und anderes Baugerät nicht drumherum weggefahren werden konnten, sondern mit dem Kran umgesetzt werden mussten, wenn Sie im Weg standen.

 

Allen Hemmnissen zum Trotz konnte das Bauwerk in dieser kurzen Saison fertiggestellt werden. Dass neben der Ingenieurvermessung dabei noch manch technisches, organisatorisches, zeitliches und manchmal auch menschliches Problem zu lösen war, versteht sich von selbst. Sicher hätte Jürgen Weber an diesem Abend noch endlos hierzu erzählen können, seine Zuhörer zumindest waren gebannt. Vielleicht gibt es ja auch von ihm bei anderer Gelegenheit im VDV-Umfeld noch mehr zu hören. Die Zuhörer des Bezirks Nord zumindest sagen gerne noch mal „Danke!“ für diesen tollen Vortrag und ziehen den Hut, vor der Leistung der beiden Webers in den Ötztaler Alpen!