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Exkursion nach Eisenach und Merkers

21.03.2011 Bezirk Bayern-Mitte Von Jochen Schmidt vor 9 Jahr(en)


Termin: 27.05.2011 - 28.05.2011
Ort: ab Nürnberg


Nachdem unser Landesverband – organisiert durch den  Bezirksverband Nürnberg -  in den letzten beiden Jahren die Alpenrepubliken unsicher machte, entschieden wir uns heuer, in die Geschichte Deutschlands einzutauchen. Dank unseres Verbandskollegen Klaus Ruppert und der Firma Leica wurde es uns ermöglicht, einen genaueren Einblick in die vermessungstechnische Dokumentation der geschichtsträchtigen Wartburg in Eisenach zu nehmen.

 

Nach einer interessanten Führung durch die - seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende – Wartburg erwartete uns ein Vortrag zur Vermessung eben dieser. Als Referent konnte ein diplomierter Steinrestaurator gewonnen werden, der sein Bestes gab,  unseren Wissensdurst zu stillen. Auch wenn die Vermessung berufsbedingt nur kurz angeschnitten wurde, erfuhren wir eine Vielzahl interessanter Details über die Sanierung des 5-Sterne-Hotels auf der Wartburg. Die Aufgabe der Steinrestauratoren besteht dabei darin, anhand photogrammetrischer Aufnahmen und Laserscanning, die Schäden an den Fassaden zu dokumentieren und nachfolgend ein Konzept zur Sanierung zu erstellen.

Im Anschluss erkundeten wir die Fußgängerzone von Eisenach und konnten so tolle Eindrücke der thüringischen Stadt gewinnen, um uns kurze Zeit später in Richtung Hessen zu verabschieden.

 

Nach einer erholsamen Nacht im Kurort Bad Hersfeld – bekannt als Standort des Hauptversandlagers des größten Internetshops in Deutschland – ging die Fahrt am frühen Morgen weiter Richtung Thüringische Grenze - zum Erlebnisbergwerk Merkers. 1925 wurde der Betrieb der weltgrößten Kalifabrik aufgenommen. Erst 1993 wurde das Bergwerk stillgelegt und fungiert seither als Erlebnisbergwerk. Dieses gehört heute zur K+S Kali GmbH.

 

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und dem Anlegen der typischen Bergmannskluft ging es in 90 Sekunden 500 Meter in die Tiefe – wo sich ein gigantisches Stollennetz von ca. 4.600 km erstreckt mit einer Teufe (bergmännisch für Tiefe) von bis zu 800 m. Unten  angekommen bestiegen wir zum Cabrio umgebaute Lastwagen und begaben uns auf eine Rundfahrt durch eine eigentümliche, unterirdische Welt. Auf der Strecke erfährt man Details zum Abbau des Kalisalzes und besichtigt eine Kristallhöhle, die Salzkristalle mit einer Kantenlänge von bis zu einem Meter beherbergt. Darüber hinaus lassen sich die Räumlichkeiten erkunden, in denen die Amerikanischen Truppen zum Ende des 2. Weltkrieges das so genannte Nazigold entdeckten.

Als besonderes Highlight gilt ein ehemaliger Großbunker, der als Zwischenlager für das Kalisalz genutzt wurde. Heute dient der 250 Meter lange, 22 Meter breite und 17 Meter hohe Raum als tiefster Konzertsaal der Welt mit einer ganz besonderen Akustik.

 

Im Anschluss an den Ausflug unter Tage erwartete uns ein Vortrag des Leiters der Vermessungsabteilung der K+S Kali GmbH. In einem kurzweiligen Vortrag wurde uns das Unternehmen vorgestellt und natürlich auch die Aufgaben der hiesigen Vermessungsabteilung. Bei der K+S Kali GmbH sind aktuell etwa 60 Vermesser, davon ca. 30 Ingenieure angestellt. Neben den Vermessungstätigkeiten unter Tage gehört auch die Deformationsprüfung der Halden zu den wichtigsten Aufgaben.

Zur Überwachung der Setzungen über Tage müssen ca. 3.500 Messpunkte in regelmäßigen Abständen überprüft werden, wobei die jährlichen Setzungen im Bereich von einem Millimeter normal sind und dabei in der Regel keine Schäden entstehen.

Im Gegensatz dazu ereignete sich im Jahr 1989 das größte, je von Menschenhand verursachte Erdbeben, welches den Wert 5,6 auf der nach oben offenen Richterskala erreichte. Dabei senkte sich der Erdboden im Schnitt um 80 cm, wobei unter Tage ca. 3.000 Stützpfeiler (32mx32m) brachen.

 

Festzuhalten wäre, dass sogar noch heute ca. 230 Bergleute zu Nachbereitungsarbeiten im bereits seit 1993 stillgelegten Bergwerk tätig sind. Ein enorm wichtiger Teil der Aufgaben wird dabei durch unsere Berufskollegen erledigt und das für mindestens noch 20 – 30 Jahre – ein Beruf mit Rentengarantie.