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Exkursion zum Zschopauer Weihnachtsmarkt auf Schloss Wildeck

17.04.2020 Bezirk Süd-West-Sachsen (Chemnitz) Von Jens Schulze vor 114 Tagen


Termin: 06.12.2019
Ort: Zschopau


Druckerei

ehemaliges MZ-Werk

Im Schlosshof

Mineralienausstellung

Motoradausstellung

Münzpräge

Schloss Wildeck

Zschopau von der Bodemerkanzel

Wieder einmal nahte die Weihnachtszeit.

Und so begab es sich, dass fünf Vermesserlein aus dem Südwesten des Sachsenlandes sich in der alten Bergstadt Zschopau am gleichnamigen Flusse trafen,  um, einer alten Traditition  folgend, das Jahr bei Glühwein und Bratwurst auf einem weihnachtlichem Markte ausklingen zu lassen.

Seit Mitte des 12. Jahrhunderts verbindet ein alter Handelweg die Salzstadt Halle an der Saale mit der böhmischen Hauptstadt Prag. Er wurde daher auch Salzstraße oder Böhmischer Steig genannt.

Zum Schutz einer Furt über die Zschopau wurde auf einen Felsen am "wilden Eck" die Burg Wildeck errichtet. Damals war sie noch von den dichten Wäldern des "Dunklen Waldes" (Miriquidi) umgeben, in dem sich höchstens Bär und Wolf gute Nacht sagten. Davon zeugen in der Umgebung noch Ortsbezeichnungen wie Bärenstein und Wilitzsch/ Wilisch (vom slavischen Wort für Wolf).

Später entwickelte sich im Schutz der Burg eine Siedlung, die erstmals 1286 als „Schapa“ erwähnt wurde. Auf Grund von Silbererzfunden in der Umgebung wurde Zschopau 1493 sogar zur freien Bergstadt ernannt. Leider erwiesen sich die Vorkommen als nicht so ergibig, doch die Lage an einem bedeutenden Handelsweg beförderten die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe (1466 Braurecht) in der Stadt. 

Und die immer noch dichten Wälder in der Umgebung bewogen den sächsischen Herzog Moritz, die Burg von 1545 bis 1547 zu einem Jagdschloss auszubauen zu lassen. Da er 1553 in der Schlacht bei Sievershausen starb, war das eigendliche keine gute Investition. Aber damals plante man noch langfristiger und nicht nur in Legislaturperioden. Nichtsdestotrotz lies sich sein  Bruder und Nachfolger im Amt, einige Kilometer nördlich ein ganz neues Schloss, die Augustusburg, errichten. Eigentlich war auch dass keine gute Investition, denn der Baustil war bald außer Mode und das Schloss wurde nicht oft genutzt. Aber zum "Glück" hatte der Bauherr auch nicht alles selbst  bezahlt und der Architekt blieb auf einem ganzen Teil der Baukosten, die er vorfinanziert hatte, sitzen.

Mit der Industrialisierung entstanden an der Zschopau mehrere Textilunternehmen, die das Wasser  und die Wasserkraft des Flusses nutzten. Bedeutenster Fabrikant war Jacob Georg Bodemer.

1866 erhielt die Stadt mit dem Bau der Zschopautalbahn einen Bahnanschluss. Aber in Folge des "Wiener Gründerkrachs" im Jahre 1873, kam es zur Stagnation und zum Abschwung der Wirtschaft in Zschopau.

Erst als Däne Jørgen Skafte Rasmussen 1907 eine stillgelegte Tuchfabrik erwarb und eine Maschinenfabrik gründete, begann der Aufstieg Zschopaus zu einem der bedeutensten Industriestandorte Sachsens.

Aus der Firma Rasmussen & Ernst wurde die Firma DKW, die ab 1922 in Zschopau Motorräder fertigte. Die Geschichte dieser Firma wird anschaulich in einer Motorradaustellung im Schloss Wildeck dargestellt. Nach der Weltwirtschaftskrise entstand 1932 durch den Zusammenschluss von DKW mit den Fahrzeugherstellern Audi, Horch und Wanderer der Konzern Auto Union AG.

Die Motorrdproduktion erfolgte weiter unter dem Markennamen DKW in Zschopau, doch 1952 änderte sich der Markennahme aus lizensrechtlichen Gründen in MZ (Motorradwerk Zschopau), nach der Wende kurzzeitig MuZ. 2013 endete schließlich auch dieser Abschnitt der Firmengeschichte.

Nachdem die fünf Geometer die Austellung angeschaut hatten, wartete das Schloss noch mit anderen Sehenswürdigkeiten auf ihren Besuch. Eine Mineraliensammlung, eine Münzprägewerkstatt und eine Druckerei konnten besichtigt werden.

Da überkam sie ein plötzlicher heftiger Hunger und Durst. Doch da sie dem Ort ihrer Zusammenkunft gar wohl gewählt hatten, war viel fleißiges Volk umher, das Speis und Trank in kleinen Häuselein gar feil bot. Uns so war bald jedweder Hunger und Durst gestillt und alle gingen ihrer Wege.

Mittlerweile hatte sich finstere Nacht über die Berge und Täler des Erzgebirges gesenkt. Doch die  Fenster der Stadt erhellten mit ihren Lichterbögen und Weihnachtssternen die Dunkelheit.  Und, allem Geschwätz zum Klimawandel zum Trotz, setzten große Scheinwerfer das Schloss in ein so prächtiges Licht, dass es selbst den sächsischen Kurfürsten gefallen hätte.