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Exkursion zur Sonnenuhr auf der Rheinuferpromenade

27.08.2008 Bezirk Düsseldorf vor 11 Jahr(en)


Termin: 27.08.2008 15:30
Ort: Düsseldorf


Größe, Präzision und Komplexität der Sonnenuhr beeindrucken!

Rolf Töpfer (2.v.l.) und Willy Bachmann (r.), Landesvor- sitzender Karsten Muth (2.v.r.)

 

 

 

 

Die Sonne wurde quasi zum Maßstab für die Zeit

 

Es ist Tradition, dass die ‚Düsseldorfer Jonges’ ihre Jubiläen auch mit einem besonderen Geschenk an die Stadt und die Bürgerschaft begehen. Anlässlich seines 75jährigen Bestehens übergab der Heimatverein am 1. Dezember 2007 an der Rheinuferpromenade eine der weltweit komplexesten Sonnenuhren an Oberbürgermeister Erwin †. Das Werk wird im Register der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie in Nürnberg unter der Kennung DGC 13999 für das Zählen der Stunden und DGC 14000 für die Angabe des Datums geführt.

 

,Es freut mich, dass wir heute bei unserer VDV-Exkursion aus erster Hand und berufenem Mund etwas über die Realisierung und die Besonderheiten dieses technischen Wunderwerkes erfahren’, begrüßte der Bezirksvorsitzende Gerhard Vaupel am Mittwoch, den 27. August 2008 den Vermessungskollegen und Stadtbildpfleger der ‚Düsseldorfer Jonges’ Dipl.-Ing. Rolf Töpfer und Dipl.-Math. Willy Bachmann (Viktoria Versicherung AG). Von Ihnen stammen die Idee und der Entwurf der Horizontal-Sonnenuhr. Die geodätische Umsetzung (Bestimmung des Ortes und der Meridiankonvergenz, dreidimensionale Berechnung und Absteckung der Uhrenkonstruktion) führte VDV-Kollege Dipl.-Ing. Horst Mühlmann (Büroleiter Vermessungsbüro R. Töpfer) aus, der leider erkrankt ist.

 

Die ‚Jonges’ wurden 1932 gegründet und haben sich zum Ziel gesetzt ‚…die Pflege und Förderung der heimischen Mundart und Geschichte, der hergebrachten Gebräuche, sowie der heimatlichen Belange...’ zu betreiben. Um die Kenntnis über ihre Heimatstadt und die Geschichte zu vertiefen hat  der Verein zahlreiche "sichtbare Zeichen" der Erinnerung (Tafeln, Brunnen, Denkmäler) gestiftet und errichtet. Anlässe und Ideen ergeben sich oft aus den Tischgemeinschaften heraus. ‚So geschehen auch mit dem Wunsch‚ dass Schüler im Freien Anschauungsunterricht in Astronomie und Mathematik bekommen’ beschrieb Rolf Töpfer den Ideenursprung der Sonnenuhr. In einer Tischrunde fiel der Hinweis auf Willy Bachmann und der sagte auch gleich zu: ‚Das kriegen wir hin und die Datumsanzeige dazu!’ Viele Unterstützer beteiligten sich mit Idealismus, Kreativität, Geld und Materialien an den Gesamtkosten von etwa 180 000 €. So konnte man nach der noblen Zusage der Schmolz+Bickenbach-Ausbildungswerkstatt für den Stahlbau ausrufen: ‚Wir bauen das Ding!’

 

Heute steht am Rheinufer der parallel zur Erdachse auf den Himmelspol (Polarstern) ausgerichtete 7,50 Meter hohe Schattenwerfer (griechisches Wort ‚Gnonom’). Entsprechend der geografischen Breite des Standortes bildet er mit der Horizontalebene einen Winkel von 51° 13’ 46’’. Die sieben Stundenbänke in der umgebenden Grünfläche markieren im Abstand von zwei Stunden die mitteleuropäische Zeit (MEZ, 15° östl. Länge, Görlitz), die Winterzeit durch römische, die Sommerzeit durch arabische Ziffern. Für die Datumsanzeige ist die Richtung des Mittagsmeridians in Form einer 25 Meter langen Edelstahlschiene in den Boden eingelassen. Darauf sind die mittäglichen Sonnenhöchststände vom 21. Juni (Sommersonnenwende) bis zum 21. Dezember (Wintersonnenwende) als Zehn-Tage-Skala abgetragen und auch für die zweite Hälfte im Jahresverlauf bezeichnet.

 

Zu den Raffinessen der Konstruktion gehört eine Längenjustierung in Form eines Kragens zum Ausgleich der Durchbiegung des 400 kg schweren Gnonoms - nach der Verfestigung des Betons und dem Entfernen der Hilfsstützen. ‚Damit das scharfe Schattenende zur Sommersonnenwende exakt die vordere Kante der Stundenbänke überstreicht und wenn die Sonne ‚im Meridian’ steht das genaue Datum anzeigt’ erklärt uns Willy Bachmann. Der Konstrukteur der ‚beiden Sonnenuhren’ ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Uhrenwissenschaft (Gnonomik oder Horologiographie). ‚Moderne Chronometer finde ich gar nicht so faszinierend, weil die eigentlich nur die Zeit präzise zerhacken können. Meine wesentliche Leidenschaft gilt den Sonnenuhren’ verriet er uns und hob eine besondere hervor: Sie beobachtet und misst in der Sternwarte Greenwich die mittlere Sonnenzeit auf dem Nullmeridian (Universal Time). Durch Synchronisierung an die Verlangsamung und Fluktuation der Erdumdrehung dient sie als Referenzzeit für die koordinierte Weltzeit (UTC), sodass auch langfristig der Tag-Nacht-Wechsel im Alltag übereinstimmt.

 

Danke für den lebendigen Vortrag zum Bau eines großartigen technisch-wissenschaftlichen Instruments. Im Sinne der Sonnenuhr wurden danach im Restaurant „Am alten Schlossturm“ nur die heiteren Stunden gezählt.

 

Gerhard Vaupel