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Fachexkursion mit anschließender Mitgliederversammlung

18.03.2018 Bezirk Süd-West-Sachsen (Chemnitz) Von Chris Sylvia Petz vor 2 Jahr(en)


Termin: 13.04.2018 15:00
Ort: Chemnitz


Referent Herr Dipl. Ing. Matthias Korda im Informationszentrum zum Chemnitzer Modell (Foto: Jens Schulze)

Fünf Ausbaustufen des Chemnitzer Modells (Foto: Chris Sylvia Petz)

Öffnung der Fassade des Chemnitzer Hauptbahnhofes (Foto: Chris Sylvia Petz)

Einfahrt einer Citylinkbahn des Chemnitzer Modells in den Hauptbahnhof (Foto: Jens Schulze)

Teilnehmer der Exkursion im Informationszentrum zum Chemnitzer Modell (Foto: Jens Schulze)

Das „Chemnitzer Modell“ Regionalstadtbahnsystem für die Region Chemnitz  
Ausbaustand – Perspektiven - Vermessungstechnische Anforderungen

Interessierte Mitglieder der VDV- Bezirksgruppe Süd-West-Sachsen sowie Gäste trafen sich am Freitagnachmittag, dem 13. April 2018, im Informationszentrum zum Chemnitzer Modell im Hauptbahnhof Chemnitz.  Dort informierte Dipl.-Ing. Matthias Korda, Geschäftsbereichsleiter Verkehr/Infrastruktur beim Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), über die Ziele, den Ausbaustand und die Entstehungsgeschichte des Chemnitzer Modells. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, bei einer Fahrt von der neuen Haltestelle Technopark zum Hauptbahnhof die zügige und bequeme Verbindung ins Stadtzentrum zu erproben.

Herr Korda informierte uns zu Beginn über seinen eigenen beruflichen Werdegang nach dem Studium in Dresden und seine Aufgaben beim VMS. Der VMS als einer von fünf Regionalverbänden in Sachsen soll einen einheitlichen Tarif für Busse, Bahnen sowie abgestimmte Fahrpläne im Regionalbereich sicherstellen.

Das Chemnitzer Modell realisiert die Verknüpfung des städtischen Straßenbahnnetzes mit dem regionalen Eisenbahnnetz des Chemnitzer Umlandes. Die Idee dazu entstand nach dem Vorbild der Stadt Karlsruhe 1993 in der Stadt Chemnitz selbst. Das Ziel besteht darin, die städtische Infrastruktur des Oberzentrums Chemnitz umsteigefrei und zeitsparend mit der Nutzung der Eisenbahnstrecken im Umland zu verbinden und diese ausgewählten Strecken dadurch besser auszulasten.

Vorhandene Strecken sollen weitestgehend genutzt und lediglich mit geringem Aufwand erweitert und ausgebaut werden. Das ist möglich, da die hohen Standards der DB nicht angewendet werden müssen. Ein weiterer Vorteil des Modells besteht darin, dass während des Baus der gleistechnischen Anlagen Einfluss auf die Gestaltung und Aufwertung  des Umfeldes genommen werden kann, was bei einer reinen Baumaßnahme der DB nicht möglich wäre. Ein Beispiel dafür ist die Neugestaltung der Reichenhainer Straße in Chemnitz mit Verkehrsberuhigung und optischer Aufwertung  am Campusgelände der TU Chemnitz im Zuge des ersten Teils der zweiten Ausbaustufe Chemnitz-Aue.

Im Jahr 1993 kam eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass die Umsetzung des Modells sinnvoll ist. Bestätigt hat das die bisherige Entwicklung der Fahrgastzahlen auf der Pilotstrecke von Chemnitz nach Stollberg, die 2002 in Betrieb ging.  800 Fahrgästen am Tag vor Inbetriebnahme der Strecke stehen jetzt 5600 Fahrgäste an Schultagen gegenüber, was zeigt, dass das Angebot, mit der Eisenbahn umsteigefrei ins Chemnitzer Stadtzentrum zu gelangen, angenommen wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt steht der Weiterbau der Stufe 2 vom Technopark Chemnitz über Thalheim bis Aue bevor, der Ende 2019 abgeschlossen sein soll.

5 Ausbaustufen wurden zu Beginn definiert, die Aufnahme ins Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz im Jahr 2010 ermöglicht die erforderliche Mitfinanzierung  des Projektes durch den Bund und das Land Sachsen. 

Eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung des Chemnitzer Modells bestand im erforderlichen Umbau des Chemnitzer Hauptbahnhofes. Die Straßenbahn sollte in den Bahnhof einfahren können, um Städte wie Burgstädt, Hainichen oder Mittweida in das Chemnitzer Modell einzubinden. 2005 sollte der Umbau beginnen, wurde aber aufgrund der Finanzkrise verschoben. In diesem Fall ein Glücksfall für das Projekt, weil durch diesen Umstand Zeit für intensive Planungen und einen Architektenwettbewerb gewonnen wurde, der die heute realisierte sehr elegante Baulösung ergab. Die Fassade des Hauptbahnhofes wurde nach umfangreichen statischen Berechnungen, die die Statik des vor vielen Jahren errichteten Gebäudes und Windeinflüsse berücksichtigen mussten, geöffnet. Durch schmale Stützen können die Bahnen jetzt in den Bahnhof einfahren und „verwandeln“ sich an den dortigen Haltestellen von Straßen- in Eisenbahnen und umgekehrt.

Von außen wurde eine moderne Folienkissenfassade an das Gebäude des Hauptbahnhofes angebracht. 2011 wurde mit Entkernungsarbeiten begonnen. 2013 fuhr die erste Citybahn der Stollberger Strecke in den Hauptbahnhof ein.

Nicht nur bauliche Veränderungen müssen realisiert werden, auch die Fahrzeuge sollen den Anforderungen des Stadtverkehrs entsprechen und gleichzeitig für den Eisenbahnverkehr zugelassen sein. Flexibel muss das Umschalten zwischen Bahn- und Stadtstrom möglich sein. Dafür wurden zwölf Zweisystemfahrzeuge, bei denen zwischen Diesel- und Elektroantrieb umgeschaltet werden kann, in Spanien gefertigt.

Die unterschiedlichen Bahnsteigkonstruktionen im Stadtverkehr und auf Eisenbahnstrecken bedingen unterschiedliche Einstiegshöhen. Deshalb wurden Bahnen mit unterschiedlichen Einstiegshöhen an den Türen eines Waggon geplant, was wir erst nach dem Vortrag beim genauen Beobachten auf der Rückfahrt in den Technopark bewusst wahrnahmen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung bedanken sich bei Herrn Korda für den Vortrag und werden den weiteren Ausbau des Chemnitzer Modells aufgrund seiner detaillierten Ausführungen interessiert weiter verfolgen.

 

 

 

 

 

Der Bezirk Süd-West-Sachsen lädt zu einer Fachexkursion mit anschließender Mitgliederversammlung ein.

Programmpunkte:

  • Fachvortrag: Das" Chemnitzer Modell" - Regionalstadtbahnsystem für die Region Chemnitz - Ausbaustand - Perspektiven - Vermessungstechnische Anforderungen
  • Fahrt mit dem Zug auf der neuen Ausbaustrecke zum Technopark
  • Bezirkswahlveranstaltung in der Gaststätte "Schreberheim"

Tagesordnung:

1. Begrüßung
2. Genehmigung der Tagesordnung
3. Feststellung der anwesenden Stimmenzahl
4. Bericht des Bezirksvorsitzenden
5. Bericht des Kassenverwalters
6. Bericht der Kassenprüfer
7. Aussprache und Entlastung des Vorstandes
8. Wahl des/r Wahlleiters/in
9. Wahl des Vorstandes 
               Bezirksvorsitzende/r
               Schriftführer/in
10. Wahl Kassenprüfer/in
11. Anträge zur Mitgliederversammlung
12. Verschiedenes
13. zukünftige Veranstaltungen 

 

Nähere Angaben finden Sie in der nachstehenden Datei.