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Fachvortrag und Jahresabschluss

27.11.2014 Bezirk Nord (Koblenz) Von Tilo Groß vor 5 Jahr(en)


Termin: 27.11.2014 18:00-20:00
Ort: Braubach


Dipl.-Ing. (FH ) Martin Fettke (LVermGeo) zum Thema:

Satellitengestützte Vermessung – Was für ein Aufwand!?

 

 

Zum Jahresabschluss 2014 kamen die Mitglieder des Bezirks Nord im Landesverband Rheinland-Pfalz am 27. November in Braubach zusammen. Wie fast immer, gehörte neben dem gesellig-kommunikativen Teil wieder ein Fachbeitrag zum Programm, der diesmal von Dipl.-Ing. (FH) Martin Fettke vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation beigesteuert wurde. Hierfür nochmals recht herzlichen Dank!

 

Kurzweilig, anschaulich und detailliert vermittelte Herr Fettke den Kolleginnen und Kollegen die Vielzahl möglicher Fehlereinflüsse im Zuge einer GNSS-Echtzeitmessung.

 

Dabei wurde eindrucksvoll deutlich, dass die bei vielen von uns bestehende Erwartung, mit GNSS im Echtzeitverfahren regelmäßig Ergebnisse im 1-2 cm Bereich, also in der Größe einer 1-Cent-Münze, zu erhalten, nicht immer realistisch und die permanente Erreichbarkeit solcher Genauigkeiten daher längst nicht selbstverständlich ist.

 

Angefangen bei den Abweichungen in den Bahndaten und Satellitenuhrfehlern, über ionosphärische und troposphärische Einflüsse bis hin zu den unverändert problematischen Multipatheffekten und Antennenfehlern auf Empfängerseite, um nur einige zu nennen, unterliegen die zur Positionslösung verwendeten GNSS-Signale einer Vielzahl von Fehler- und Störeinflüssen, die im geodätischen Alltag längst nicht mehr bewusst sind.

 

Auch die zunehmende Anzahl von GNSS-Systemen bietet hierfür kein Allheilmittel. Unbestritten nimmt die Satellitenverfügbarkeit durch weitere Systeme wie Glonass & Co zu, so dass eine mangelnde Verfügbarkeit von Satellitensignalen zur Berechnung einer Lösung heute kaum noch ein Thema ist. Gleichzeitig erfordert jedes weitere System empfängerseitig stets neue Algorithmen, um die systembedingten Unterschiede z.B. in der Signalcodierung oder der Zeit- und CRS-Definition zu lösen.

 

Als Fazit darf festgehalten werden: Die nutzerseitig stets erwarteten +/- 1-2 cm sind keine Selbstverständlichkeit, sondern der Optimal-Fall und es ist in Kenntnis der Fehlereinflüsse fast schon erstaunlich zu nennen, wie oft wir mit den GNSS-Vermessungen auf der “1-Cent-Münze“ zu liegen kommen! Das andererseits nicht jede Reproduktion einer Koordinate der GST 2000 (vgl. Richtlinien für das Verfahren bei Liegenschaftsvermessungen in Rheinland-Pfalz (RiLiV), Tafel 3, Zulässige Abweichungen bei der rechnerischen Grenzermittlung in der GST  2000,  Zs= 0,04 m) innerhalb der amtlichen Toleranzen gelingt, ist mit diesem Hintergrundwissen hingegen besser nachvollziehbar.

 

„Seien Sie sich der vielen Unwägbarkeiten bei der GNSS-Echtzeitmessung stets bewusst und behandeln Sie auch Ihre Empfänger, bei denen es sich um echte mathematische Hochleistungssensoren handelt, mit der gebotenen Sorgfalt.“, so Martin Fettke zum Abschluss seines gelungen Vortrages. Ein leidenschaftlicher Appell, der die fast schon emotionale Zuneigung zu seinem Aufgabengebiet und die Essenz des Vortrages auf den Punkt brachte. Der Vortrag wurde in der pdf-Version durch den Referenten zur Verfügung gestellt und kann per E-Mail angefordert werden.

 

Ein gemeinsames Essen sowie fachliche und persönliche Gespräche und die Überlegungen zum nächsten Beitrag in 2015, ggf. zum Thema Laserscanning, rundeten den Abend ab.