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Landesverbandstag 2016

27.08.2016 Landesverband Hessen Von Horst Gläsmann vor 3 Jahr(en)


Termin: 22.04.2016 09:30-16:30
Ort: Rotenburg an der Fulda


Der VDV-Landesverband hatte seine Mitglieder zum Landesverbandstag am 22. April 2016 nach Rotenburg an der Fulda eingeladen. Ins Posthotel dieses malerischen Städtchens in Nordhessen fanden sich annähernd 50 Personen.

 

Grußworte

Dem VDV-Landesvorsitzenden Bernd Sack war es eine besondere Freude, die zahlreich erschienenen Mitglieder, Ehrengäste und Vertreter der Partnerfirmen, Herzog Systemtechnik, hhk Datentechnik GmbH und Leica Geosysteme, in Rothenburg an der Fulda zu begrüßen. Vielen Kolleginnen und Kollegen sei diese Stadt aus ihrer Aus- und Fortbildungszeit bestens bekannt.

In seinen Begrüßungsworten verwies Bernd Sack zunächst auf das neue Jahresgutachten, das der Bundeskanzlerin am 17. Februar übergeben wurde. Dabei steht für die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) das Thema Digitalisierung im Vordergrund. Durch die wachsende Vernetzung von Personen und Objekten sowie deren Einbeziehung in das Internet entstehen gänzlich neue Handlungsräume. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden durch diese Entwicklung vor große Herausforderungen gestellt. Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft kommt, konnte Bernd Sack dazu nur feststellen. Die Entwicklung habe eine Dynamik, die unsere Erwartungen vor 10 Jahren bei Weitem übertreffe. Vieles klinge unglaublich, fast utopisch, was sich in der Welt, die wir kennen, in kürzester Zeit ändern wird. Unser Wohlstandsniveau werde in Zukunft dadurch bestimmt, wie wir die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung annehmen. Auf dem Weg zur digitalen Zukunft kommen damit massive neue Anforderungen auch oder gerade auf die Ingenieure zu. Gefragt seien verstärkt Generalisten, die mehrere klassische Fachgebiete im Blick haben, und natürlich sollte der „Ingenieur 4.0“ gut kommunizieren können. Der Mangel an Fach- und Führungskräften wurde zwar oft schon thematisiert, aber nur selten mit Blick auf die digitale Transformation, denn hier hat Deutschland, haben die deutschen Unternehmen ein eklatantes Defizit, wie eine Studie des Marktforschers Crisp Research ergeben hat: Gerade einmal 7 % der Entscheider haben die nötigen Qualifikationen zum „Digital Leader“. So seien zum Beispiel die Geodäten aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Querschnittskompetenzen geradezu prädestiniert, hier führende Positionen einzunehmen. Qualifikationen wie auch Veränderungsbereitschaft seien nun einmal wichtige Voraussetzungen für gelungene Reformprozesse und notwendig, um sich am Markt zu behaupten. Und Innovationen seien den Geodäten nie fremd gewesen. Der Einsatz von GPS-Verfahren verbunden mit der Einrichtung des Satellitenpositionierungsdienstes (SAPOS), die Einführung eines einheitlichen Raumbezuges (ETRS 89 / UTM), die Einführung von ATKIS; ALKIS und ALFIS, das digitale georeferenzierte Rissarchiv, die Überarbeitung des Portfolios im Bereich neuer Produkte, z.B. im 3D-Bereich, den Schritt in Richtung Open Data oder die Ablösung alter Produkte, wie z.B. die topographischen analogen Karten, zeigen die Innovationsbereitschaft. Uns sei in der praktischen Arbeit stets gelungen, die althergebrachten Ergebnisse und Unterlagen zu bewahren, gleichzeitig aber auch umfassend zu modernisieren und sich auf diese Art und Weise zu jeder Zeit den Anforderungen des Zeitgeistes zu stellen. Geodäten gestalten den Wandel und sind ergebnisorientiert. Sie wirken entscheidend bei der Lösung nahezu aller Megathemen unserer Zeit mit, seien es nun Umwelt-, Energie-, Infrastruktur- oder andere konkrete Zukunftsaufgaben. Unsere Welt, komplex und schnelllebig geworden, erfahre analog dazu einen gravierenden Wandel in der Arbeitswelt. Und genau diese Entwicklung werfe Fragen auf: Haben wir in Zukunft noch Arbeit? Wie sieht sie aus? Wie verteilt sie sich? Ist sie kreativ oder monoton? Diese Herausforderungen könnten nur gemeinsam von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bewältigt werden. Wir Ingenieure würden auf qualitatives Wachstum und vorausschauendes, verantwortliches Handeln setzen. Wir würden uns deshalb in der Verpflichtung sehen und es gleichzeitig als Chance verstehen, diesen Markt entscheidend mit zu gestalten. Geodäten seien eine Fachgemeinschaft von Ingenieuren und Wissenschaftlern, die unsere Erde und das erdnahe Weltall erkunden, vermessen und anschließend grafisch darstellen. Das Zusammenleben in unserer Gesellschaft wäre heute ohne den Einsatz raumbezogener Informationen, das Gold des digitalen Zeitalters, nicht mehr denkbar. Entscheidungen in Verwaltung und Wirtschaft werden schätzungsweise zu 80 % auf der Basis von Geoinformationen getroffen. Besonders auf dem Immobilienmarkt sei das bemerkenswert. Grundstücke, Gebäude, alles hat seinen Wert so Bernd Sack. Längst würden Immobilien auch global gehandelt – entsprechend wichtig seien präzise und aktuelle Wertermittlungen. Wertermittlung setze voraus, dass Geodäten Unterlagen über das betroffene Objekt zur Verfügung stellen. Welche Eigentümer, welche (Teil-)Flächen sind betroffen, welche Rechte (Dienstbarkeiten etc.) gibt es? In Gutachterausschüssen für Grundstückswerte sind Geodäten mit ihrem Fachwissen, in Expertengremien aus den Bereichen Bau, Bewertung und Planung vertreten. Die genannten Herausforderungen und Aufgaben erforderten Kompetenzen, die Geodäten durch Ausbildung und berufliche Praxis in hohem Maße mitbringen. Unser spannender, abwechslungsreicher und interessanter Beruf brauche selbstverständlich auch ein attraktives finanzielles Umfeld. Wir könnten keinen Nachwuchs bekommen, wenn Büros den Mitarbeitern kein entsprechendes Gehalt bieten können. Dazu sei es u.a. notwendig, dass die Vermessungsleistungen wieder in den verbindlichen Teil der HOAI zurückgeführt werden. Dass Angela Merkel bei ihren derzeitigen „Baustellen“ wie der Flüchtlingspolitik, der Türkei und VW kaum Interesse habe, sich gegen das Vertragsverletzungsverfahren konsequent einzusetzen und für den Erhalt der HOAI zu kämpfen, sehen wir realistisch. Es werde wieder ein Bauernopfer bei der Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie der zu reglementierenden Berufe gebraucht, und das sind wir Ingenieure! Angesichts des Fachkräftemangels und der Nachwuchsprobleme in den Ingenieurdisziplinen, insbesondere auch in der Geodäsie, stehe es im Kontext zu der Nachwuchsplattform www.arbeitsplatz-erde.de, um bei jungen Menschen für ein Engagement in diesem attraktiven und zukunftsfähigen Berufsfeld zu werben. Diese Aufgabe hat sich die Interessengemeinschaft Geodäsie gestellt. Mit der Verzahnung der Verbände, dem BDVI, DVW und VDV bündeln wir unsere Kräfte in der Außenwirkung und Darstellung unseres Berufes. Auch das Auftreten und Handeln in der Geodäsie-Akademie für die Fortbildung unserer Kolleginnen und Kollegen sei geprägt von der Gemeinschaft. Zum Schluss bekräftigte Bernd Sack, stolz zu sein, ein Geodät zu sein, und blicke selbstbewusst in die Zukunft.

Christian Grunwald, Bürgermeister der Stadt Rotenburg an der Fulda, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der schönsten Stadt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Die interessante Fachwerkstadt ist Ausbildungszentrum von Hessen Mobil und Ausbildungsstandort der hessischen Finanzverwaltung. Wer sonst außer den Geodäten soll die Rahmenbedingungen aller Planungen liefern, wusste Christian Grunwald die Ingenieurleistungen zu schätzen. In der Building Information sah er ein geeignetes Mittel für die Zukunft.

Heinz Schlegel, erster Kreisbeigeordneter, überbrachte die Grüße des Landrats Dr. Michael Koch. Er stellte fest, dass wir alle täglich Geoinformationen nutzen. Sie seien dafür verantwortlich, dass am richtigen Ort gebaut wird. Die entsprechenden Instrumente haben eine rasante technische Entwicklung erfahren. Dies sei in der Verbandszeitschrift hinreichend dokumentiert. Der VDV sei eine hervorragende berufspolitische und fachliche Vertretung seiner Mitglieder, die darin gut aufgehoben sind.

Lena Arnoldt, jüngste Abgeordnete des hessischen Landtags, erklärte, dass auch in dieser Region viele interessante Menschen leben. Sie wolle heute zwar keinen Vortrag zum Thema Geoinformationen halten, aber als Landtagsabgeordnete könne sie ein Netzwerk anbieten, dass zur Nutzung zur Verfügung stehe. Sie wünschte dem Verbandstag viel Erfolg.

VDV-Vizepräsident Klaus Meyer-Dietrich überbrachte die Grüße des Präsidiums, insbesondere vom VDV-Präsidenten Wilfried Grunau. Er führte einige Sätze zur Darstellung unseres Berufsstandes an. Ohne unsere Leistungen wären Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen usw. nicht möglich. Bereits die alten Ägypter griffen auf die Vermessungsingenieure zurück. Klaus Meyer-Dietrich verwies auf die Grußworte des Landesvorsitzenden Bernd Sack, nach dem die Bundesrepublik Deutschland ohne die Geodäten nicht leistungsfähig wäre. Diese Tendenz werde noch zunehmen. Auch eine Stadtentwicklung sei ohne Geoinformationen nicht denkbar, ebenso wenig eine Haushalts- und Sozialpolitik. Den Blick auf Europa gerichtet, stellte er fest, hätte Griechenland unser System des Eigentumsnachweises seit 150 Jahren so praktiziert, sähe es dort besser aus. Die Situation mit der HOAI sähe er nicht so pessimistisch, hätten doch schon Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium stattgefunden. Die Europäische Union hat die 2. Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens gegenüber der Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Die Stellungnahme zum 1. Verfahren wurde nicht anerkannt, so dass es wahrscheinlich zu einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) kommen wird. Da die EU überwiegend Fälle vor dem EuGH verliert, besteht hier die Hoffnung, dass es im Anklagefall zur HOAI nicht zu einer Niederlage führen wird.

Prof. Dr.-Ing. Udo Meißner, Präsident der Ingenieurkammer Hessen, stellte in seinem Eingangsstatement die Bedeutung des Berufsstandes des Ingenieurs für das Land Hessen in den Vordergrund. Einige Themen von grundlegender Bedeutung lagen ihm am Herzen. Dazu zählte er das neue hessische Ingenieurgesetz, das am 9. Dezember 2015 in Kraft getreten ist. Hierin ist die Berufsbezeichnung „Ingenieur/in“ gesetzlich geschützt. Für den Verbraucher ist somit wieder Verlässlichkeit eingetreten. Zugleich bedauerte Udo Meißner, dass ein entsprechendes Bundesingenieurgesetz nicht vorliegt. Voraussetzung für die Berufsbezeichnung „Ingenieur/in“ ist demnach ein ingenieurwissenschaftliches Studium, 180 ECTS, mind. 6 theoretische Studiensemester mit mind. 50 % ingenieurspezifischen Studienfächern. Das Gesetz nennt auch die zuständige Stelle für die Anerkennung ausländischer Ingenieurqualifikationen. Im Gegensatz zu Hessen propagiert Sachsen für eine Anerkennung erst ab dem Mastertitel. In Hessen könne sich also jeder, der diese Kriterien erfülle, nach der Entscheidung durch die Ing.Kammer als „Ingenieur/in“ bezeichnen. Zu den gesetzlichen Mitgliedern der Ing.Kammer zählen u.a. Beratende Ingenieure, Stadtplaner, Bauvorlagenberechtigte, Fachingenieure. Der Ing.Kammer obliegt auch die Fachplanerausbildung z.B. im Brandschutz, in der Energieeffizienz, im nachhaltigen Bauen. In Vorbereitung stehe die Ausbildung der Fachplaner für barrierefreies Planen und Bauen. Ein weiterer Schwerpunkt der Ing.Kammer ist das BIM: Planen und Bauen 4.0. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die GmbH zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens. Im Gründungsvertrag sind 14 Verbände und Institutionen u.a. die BundesIng.Kammer, der VDI und der BDVI aufgeführt. Das Gründungskapital umfasst 390.000 EURO. Udo Meißner ließ es sich nicht nehmen, auch auf das BIM (Building Information Modelling) einzugehen. Anwendung findet es beim Planen, Bauen und Betreiben von (nachhaltigen) Bauwerken. Die wesentlichen Komponenten sind eine durchgängige Prozessmodellierung, die interdisziplinäre Optimierung von Planungs- und Lebenszyklen und eine vernetzt-kooperative Arbeitsmethodik. Vorteile, so Meißner, seien die konsistente Planung und Fertigung, eine geregelte Kooperation, die betriebswirtschaftliche Optimierung aller Prozesse, Kostensicherheit und die Nachhaltigkeit bei der Nutzung und des Betriebes. Zu den Neuerungen der letzten Zeit ist die Einrichtung eines Webforums zur Partizipation in der Ing.Kammer Hessen zu zählen: Sie soll die Kommunikation für aktive Mitglieder erweitern, die ehrenamtliche Tätigkeit ergänzen und einen Service für Fachgruppen bieten. Die Ing.Kammer Hessen ist auch permanent an verschiedenen Veranstaltungen beteiligt. So fand am 26. April 2016 eine Preisverleihung für einen Schülerwettbewerb statt.

 

Uwe Koch, seit 1. Februar 2016 Leiter des zuständigen Amtes für Bodenmanagement, überbrachte seine Grußworte aus einer Verwaltung der HVBG und stellte die Frage in den Raum, „was macht uns zu einer Verwaltung?“ Wir verwalten den Schatz, das sind die amtlichen Geobasisdaten, so Uwe Koch. Verbindliche Dinge werden geliefert, auch im Rechtssinne. Die Verwaltung bestehe aus Vermessungsingenieuren und Rechtsexperten (Bodenmanagern). Dass die HVBG auch innovativ ist, zeige sich daran, dass an einer neuen Geodateninfrastruktur gearbeitet wird. Unser Berufsstand wirke dabei in nicht unerheblichem Maße mit. Im ländlichen Raum liefert die Flurneuordnung einen wichtigen Beitrag für den Tourismus, aber auch für die Bevölkerung, die Landwirtschaft und andere Bereiche. Zur Erfüllung dieser Aufgaben müsse der Geodät aber zeigen, dass er 1) ein Generalist ist, 2) die Sprache der anderen versteht (Stichwort: interdisziplinäres Arbeiten), 3) politische Ratsbeschlüsse umsetzen kann und 4) technische Kompetenz hat. Wir sind mit einem Wort Allrounder und aktivieren Themen. Auch im Bauwesen könne der Auftraggeber seiner Meinung nach steuern. So kann alles in einer Ausschreibung geschrieben werden. Mittlerweile sind auch die Kommunen imstande, Geodaten als Extranet zu verwalten. Es empfehle sich, ein Portal zu nutzen, z. B. für die Bauleitplanung. Reden können (klare verbindliche Worte zu benutzen) und verstehen, d.h. gute Kommunikation, dazu noch den Ingenieurgeist, dann sei die Zukunft unseres Berufsstandes gesichert. Mit diesen Worten schloss Uwe Koch seine Grußworte.

Fachvortrag: Das Thema „Building Information Modelling – BIM – eine Herausforderung und Chance für Vermesser“ brachte der Referent Matthias Burg, Bachelor of Engineering, näher. Was haben wir (Ingenieure) vor? So leitete Burg seinen Vortrag ein: Eine dritte Person blickt auf unseren Beruf, Nachwuchssorgen, und wie wir BIM nutzen können, das sind Herausforderungen, die uns beschäftigen. Zugleich eröffnen sich uns Chancen: Eine neue Art der Kommunikation, das Know How, was wir uns über Jahrzehnte erarbeitet haben, fundierte Kenntnisse aus unserem Kernsegment – Vermessung. „Keine Angst vorm Geodäten“ hieß es 1977 Diogenes. Noch bessere Dienste leistet das Pixi-Buch „Ich habe eine Freundin, die ist Geodätin“. Der Nachwuchs, das sei eine unendliche Geschichte. „Fachkräfteengpässe in Unternehmen“, so lautet eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V vom Dezember 2014. Eine Grafik „Altersstruktur in Top 10-Engpassberufen für Personen mit Hochschulabschluss“ vom September 2014.verdeutlichte: In der Vermessungstechnik sind 44 % der Beschäftigten älter als 50 Jahre. Das ist – verglichen mit anderen Berufsgruppen – der höchste Anteil. Das ist also der Status Quo! Wie wird es weitergehen? THE FUTURE OF EMPLOYMENT: HOW SUSCEPTIBLE ARE JOBS TO COMPUTERISATION? [Die Zukunft der Beschäftigung: wie anfällig Arbeitsplätze für die Digitalisierung sind] belegte eine Studie der Oxford University Frey/Osborne von 2013. Von den 702 untersuchten Berufsgruppen standen nach aufsteigender Wahrscheinlichkeit zur Digitalisierung Vermessungsfachleute auf Rang 262, Geomatiker und Kartographen hingegen an 635. Stelle. Es müssen daher Ideen zur Nachwuchsgewinnung entwickelt werden. Kollegen sollen auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Sie haben Erfahrungen aus Lehre und Beruf.

Was ist das BIM, und Wo finden wir den Einstieg? Matthias Burg verwies auf einen Artikel im VDV-Magazin 02/2014. BIM ist bidirektionales Arbeiten. Ein Gebäude von – der Planung bis zum Abriss – benötigt daher nur noch eine Datenbank. Sie enthält sämtliche Abrechnungen und auch das Facilty Management. Der Ingenieur ist zwar im 19. Jhd. entstanden, aber bidirektionales Arbeiten sei ureigenes Ingenieurhandeln. Unsere große Chance ist zu zeigen, was wir draufhaben: Datenbankmanagement, Koordinatensysteme, Aufnahmeverfahren, rechtliche Grundlagen, Interdisziplinäres Denken. Und nun, nutzen wir die Vermessung als Einstieg zur Generierung neuer Produkte, appellierte Matthias Burg. Unsere wichtigste Aufgabe sei dabei zu ergründen, was der Kunde/Partner will, was er leisten kann, möglicherweise eine neue Art der Kommunikation zu entwickeln. Der Geodät als BIM-Manager wäre eine neue Herausforderung. In England ist das bei allen Projekten Realität. So haben wir es beispielsweise bei einem Gebäude mit ca. 1,4 Milliarden Punkten zu tun. Matthias Burg veranschaulichte dies am Beispiel des Workflows zum CAFM. Messungen vor Ort erfolgen mit Laserscanner, Tachymeter, GPS und Disto mit anschließender Aufbereitung der Messdaten. Hier gilt den auf die Laserscann erfassten Punktwolken ein besonderes Augenmerk. Die anschließende messwertgestützte Modellierung der Objekte wird mit verschiedenen Werkzeugen ausgeführt. Die bidirektionale Verwendung der Daten mit CAD und CAFM resultiert daraus. Müssen wir uns neu erfinden? Nein, aber wir müssen auf eine neue Art und Weise kommunizieren, zog Matthias Burg das Fazit aus seinen Ausführungen. Fleedwood Macs „Go Your Own Way“ ist nicht anzuwenden, aber das „Come Together“ von den Beatles. Ein einzelner Bachelor-Ingenieur kann das nicht bringen, aber alle gemeinsam als Verband. Ganz passend dazu war sein Zitat von Carl Friedrich Gauß: „Es ist nicht das Wissen, sondern das Lernen, nicht das Besitzen, sondern das Erwerben, nicht das Dasein, sondern das Hinkommen, was den größten Genuss gewährt.“

Als kleines Dankeschön überreichte der Landesvorsitzende dem Referenten ein Buchpräsent „Das Wissen von Morgen“. Mit einem gemeinsamen Mittagessen endete der Landesverbandstag 2016.

 

Zur Mitgliederversammlung konnte VDV-Landesvorsitzender Bernd Sack den VDV-Vizepräsidenten Klaus Meyer-Dietrich, den Bundesgeschäftsführer Burkhard Kreuter und den Redakteur des VDVmagazinPlus Willibald Dores begrüßen. Ehrungen, Rechenschaftsberichte und Neuwahlen standen auf dem Programm.

Grußworte
VDV-Vizepräsident Klaus Meyer-Dietrich überbrachte herzliche Grüße des VDV-Präsidenten, Wilfried Grunau, und des Bundesvorstandes. Meyer-Dietrich richtete interessante Worte an die Mitgliederversammlung. Zum einen sprach er die demografische Entwicklung unseres Verbandes an und die daraus folgenden Konsequenzen an. Die Feststellung, dass wir altern, ist nicht von der Hand zu weisen. Unisono sei das in allen Verbandsstrukturen festzustellen. Woran liegt das?
1. Langfristig sind jüngere Menschen kaum für ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen. Ebenso haben es die Kolleginnen und Kollegen an den Hochschulen immer schwerer, neue Mitglieder zu werben. Das Problem könne der VDV nicht allein lösen, sondern es ist Aufgabe / Pflicht aller Geodäten sich um den Fortbestand unseres Berufstandes zu kümmern.
2. Die Anzahl der Studierenden an den Hochschulen/Fachhochschulen nimmt ab. Daher richtete er an die Mitgliederversammlung den Appell, auch andere Kolleginnen und Kollegen für die Verbandsarbeit zu gewinnen. Wenn man sich mit seinem Beruf identifiziert, dann sollte man auch außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit Engagement zeigen. Zum Thema „Open Data“ bemerkte Klaus Meyer-Dietrich, uns diesem nicht zu verschließen. BIM ist positiv zu beurteilen, der VDV bleibt auch hier am Ball. Meyer-Dietrich griff noch einmal die „Bremer Erklärung“ auf. Ein Ausfluss dessen sei, dass in NRW 2016 der erste Geodäsie-Kongress mit über 300 Teilnehmern durchgeführt wurde. Es sei zwecklos, dass sich die Verbände untereinander stritten, Gemeinsamkeit ist gefragt, so Meyer-Dietrich. Es ist beeindruckend, wenn sich die drei großen Fachverbände mit insgesamt ca. 11.000 vertretenen Mitgliedern in Dortmund gemeinsam einbringen. Der Appell an die Zusammenarbeit heiße aber auch nicht Vereinigung.

Zum Schluss richtete Klaus Meyer-Dietrich ein persönliches Wort an den Landesverband Hessen. Dies sei sein letztes Grußwort an diesen Landesverband, da seine Amtszeit als VDV-Vizepräsident im Juni dieses Jahres abläuft. Er wünschte dem VDV-Hessen alles Gute.

Ehrung
Nach Genehmigung der Tagesordnung durch die Mitgliederversammlung standen zahlreiche Ehrungen an. Für 40-jährige Mitgliedschaft ehrten Klaus Meyer-Dietrich und Bernd Sack die Kollegen Walter Heinemann, Günter Schölla und Walter Schäfer, Glückwünsche für ihre 25-jährige Mitgliedschaft nahmen Bernd Kirchner, Stefan Braunroth sowie die Fa. Trimble vertreten durch Herrn Janos Faust entgegen.

Für ihr großes und langes Engagement sowohl in der Bezirks- als auch in der Landesverbandsarbeit wurde die Vorsitzende des Bezirks Hessen-Süd, Maria-Elisabeth Schäfer, vom Landesvorsitzenden in Form eines Präsentes geehrt. Er überreichte ihr ein Buch „Unser lebendiger Planet“ und etwas für die Gesundheit. Zum Tode von Dipl.-Ing. Christian Kotissek äußerte der Landesvorsitzende seine tiefe Betroffenheit. Wir verlieren einen sehr engagierten Kollegen, der sich um die Ausbildung unseres Nachwuchses und die Personalratsarbeit sehr verdient gemacht hat.

Vorstandsberichte
Den Bericht über die Vorstandsarbeit der vergangenen zwei Jahre eröffnete Bernd Sack mit einem Dank an alle Vorstandsmitglieder aus dem Landesvorstand und den Bezirksvorständen für deren ehrenamtliche Arbeit. Gleichzeitig dankte er auch den Mitgliedern für das in den Vorstand gesetzte Vertrauen. Wiederum konnte Bernd Sack von seinen zahlreichen Aktivitäten für den Landesverband und darüber hinaus berichten. Besonders hob er hervor, dass die Bundesmitgliederversammlung in Fulda ein voller Erfolg war. Aktuell liegt ihm ein Entwurf einer Verordnung zur Änderung der Verwaltungskostenordnung für den Geschäftsbereich des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung vor. Die Stellungnahme ist bis Juni abzugeben. Stolz sei er auf die, bei der HLBG, erreichte Dienstbefreiung für die VDV-Landesverbandstage. Dazu diente ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten des HLBG, Gerd Köhler, während des VDV-Landesverbandstages 2014 in Gießen. An allen DVW-Tagungen von 2014-2016 nahm er teil. Am Geodäsie-Kongress in der Dortmunder Westfalenhalle gefiel ihm besonders gut, dass die Vertreter der Verbände in lockerer Atmosphäre moderierten.

Die Parlamentarischen Abende - Kuratorium Hessischer Ingenieurverbände und der IngKH - im Hessischen Landtag in Wiesbaden hat Bernd Sack in den vergangenen Jahren nicht versäumt. Der VDV Hessen ist Mitglied im Kuratorium und damit auch Partner des Abends. Wir beteiligen uns im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten an den Kosten der Veranstaltung.

Überrascht hat ihn dabei, dass der Landtagspräsident am 02.02.2016 auch den VDV, namentlich Bernd Sack, begrüßt hat. In den Jahren 2014 und 2015 wurden auch wieder  die hessischen VDV-Preise an der Frankfurt University of Applied Sciences überreicht (siehe dazu VDVmagazin 3/2016). Eine Einladung zu „GeKo meets Business“ 2016 liegt ihm bereits vor. Die Mitgliederversammlung des Bezirks Hessen­-Süd hat eine Arbeitsgruppe zur Mitgliederwerbung gegründet. Es ist im ersten Schritt beabsichtigt, Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung und in größeren Büros, für eine Mitgliedschaft im VDV zu gewinnen.

Besonders zu erwähnen ist, dass in zweiter Lesung wurde vom Hessischen Landtag das Hessische Ingenieur- und Ingenieurkammergesetz (HIngG) beschlossen und ist am 09. Dezember 2015 in Kraft getreten.

Landesschatzmeister Horst H. Helmig dankte zunächst den Kassenprüfern (200 Buchungen waren zu prüfen) und bedankte sich im Namen des Landesverbandes und der Mitglieder für die Vorbereitung des diesjährigen Landesverbandstages. Im Kassenbericht legte Helmig die Jahresrechnungen der Jahre 2014 und 2015 dar.  Aufgrund des Ausfalls von Katja Zoll hat sich Bernd Palm kurzfristig für die Kassenprüfung zur Verfügung gestellt. Günter Schölla und Bernd Palm bescheinigten eine ordentliche Kassenführung und stellten fest, dass alle Ausgaben gerechtfertigt waren. Günter Schölla beantragte die Entlastung des Vorstandes, dem die Mitgliederversammlung einstimmig folgte.

Wahlen Die Neuwahlen eines Teils des Vorstandes bis zum Jahr 2020 wurden durch Klaus-Meyer-Dietrich als Wahlleiter durchgeführt. Das Amt des stellvertretenden Landesvorsitzenden übernimmt wieder Lothar Liesen. Horst H. Helmig hat sich ebenfalls wieder für das Amt des Schatzmeisters bereit erklärt. Die Neuwahlen brachten folgende einstimmige Ergebnisse:

Stellv. Landesvorsitzender: Lothar Liesen (2020)
Schatzmeister: Horst H. Helmig (2020)
Referent für Gesetzgebung und den öffentlichen Dienst: Udo Grenzebach (2020)
Referent für Ingenieurkammer, freien Beruf und ÖbVI: Bernd Sack (2020)

Die restlichen Vorstandsmitglieder standen nicht zur Wahl. Als neuer Kassenprüfer für Günter Schölla wurde Bernd Palm bis 2020 gewählt.

Zum Schluss dankte Bernd Sack allen Mitgliedern für deren Erscheinen und dankte noch einmal für die geleistete Arbeit. Sein Dank galt auch dem Referenten der Fachtagung. Zur Motivation für die Vorstandsarbeit bittet der Landesvorsitzende alle Mitglieder um Unterstützung des Vorstandes.

Der Landesverbandstag fand seinen Abschluss mit einem zünftigen Mahl und gemütlichen Stunden auf der „Rodenberg-Alm“ in Rotenburg.




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