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UTM-Umstellung in Baden-Württemberg – was nun?

05.12.2017 Landesverband Baden-Württemberg Von Jürgen Trenkle vor 2 Jahr(en)


Termin: 30.11.2017 13:00-18:30
Ort: Stuttgart


Blick in den vollbesetzten Saal

Referenten und Seminarleitung

Jürgen Trenkle

Verbändeseminar am 30. November 2017 im DGB Haus Stuttgart mit über 300 Teilnehmern

Zum Jahreswechsel 2017/2018 wird die Vermessungsverwaltung in Baden-Württemberg die Geobasisdaten der Landesvermessung und des Liegenschaftskatasters (AFIS, ALKIS, ATKIS) auf das europaweit einheitliche Lagebezugssystem Europäisches Terrestrisches Referenzsystem 1989 mit Universaler Transversaler Mercator – Abbildung (ETRS89/UTM) überführen. Voraussichtlich ab Ende Januar 2018 werden alle Geobasisdaten in Baden-Württemberg nur noch in diesem amtlichen Lagebezugssystem bereitgestellt. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, Geodaten großräumig und länderübergreifend auf Grundlage eines einheitlichen Raumbezugs zu nutzen.

Die Überführung der Geobasisdaten der Landesvermessung erfolgt weitgehend über das bundesweit abgestimmte NTv2-Transformationsgitter BeTA2007. Die Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters wurden mit dem vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (LGL) im Herbst 2017 berechneten engmaschigen NTv2-Gitter BWTA2017 transformiert. Die Berechnung dieses Gitters erfolgt durch eine landesweite Ausgleichung mit Homogenisierung und Verteilung von Restklaffen von rund 450 000 Passpunkten auf die Gitterpunkte nach der Membranmethode. Durch diese Art der Umstellung auf das neue Lagebezugssystem werden bestehende Netzspannungen minimiert.

Dennoch verbleiben systembedingte Strecken- und Flächenverzerrungen. Diese „Verzerrungen“ sind insbesondere in der Ingenieurvermessung für den Hoch-, Tief- und Brückenbau nicht vernachlässigbar. Es müssen Transformationen erfolgen, die projektbezogen unterschiedliche Konsequenzen ergeben.

Unter Federführung des BDB/VDV FG Geodäsie und Geoinformatik wurde im Rahmen der Geodäsie Akademie ein Verbändeseminar zusammen mit DVW, abv, BDVI, Ingenieurkammer und DGfK arrangiert. Das Thema traf voll das Interesse von Ingenieurbüros, ÖbVIs, Stadtmessungs- und Tiefbauämtern sowie der Straßenbauverwaltung. Mit 330 Teilnehmern aus Baden-Württemberg und einigen aus Bayern sprengte die Veranstaltung den Rahmen aller bisher jemals durchgeführten Seminare. Leider mussten aus Platzgründen weitere 100 Interessenten vertröstet werden. Nachdem die ursprünglich zu erwartende Teilnehmerzahl bereits nach 4 Wochen überbucht war und von der Aula der HFT Stuttgart in den Saal des DGB mit einem Fassungsvermögen von 330 Teilnehmern gewechselt wurde, war es logistisch leider nicht möglich, kurzfristig einen noch größeren Saal zu buchen.

Den Zuhörern wurden in dem Halbtagesseminar sieben Fachvorträge von ausgezeichneten Referenten geboten. Der Moderator der Veranstaltung, Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Trenkle vom BDB/VDV BW, brachte seine große Freude über die vielen Teilnehmer aus allen Bereichen der Geodäsie zum Ausdruck. Er lobte auch die gute Zusammenarbeit der Verbände bei der Gestaltung der Veranstaltung. Sehr erfreut waren die Veranstalter und die Teilnehmer über die Anwesenheit und die Grußworte des Vizepräsidenten Dipl.-Ing. Robert Jakob des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung.

Herr Dipl.-Ing. Manfred Zöllner vom LGL Referat 41 Stuttgart ging in seinem Referat auf die gesetzlichen und fachlichen Grundlagen zur Umstellung in BW ein.

Da Baden-Württemberg und Bayern die letzten Bundesländer sind, die die Überführung in UTM vornehmen, bemühte sich der Koordinator des Fachprogramms Jürgen Trenkle auch um Referenten aus NRW, wo schon seit einiger Zeit mit dem neuen Koordinatensystem gearbeitet wird. Herr ÖbVI Dipl.-Ing. Ingo Tiemann aus Dortmund gab einen sehr interessanten und aufschlussreichen Praxisbericht vom täglichen Umgang mit dem neuen System.

Herr Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Ganninger (GeoConcept Karlsruhe) erläuterte die programmtechnischen Notwendigkeiten und Arbeitsschritte zur Überführung von DWG-basierten Datenbeständen in UTM.

Sehr interessant für die Praktiker war der Vortrag von Dipl.-Ing. (FH) Stephan Seiler (Ing.-Büro Seiler Bühlertal) zu den veränderten Arbeitsabläufen im Innen- und Außendienst.

Wie mit den systembedingten Maßstabsverzerrungen im Straßen- und Brückenbau umzugehen ist, beschrieben sehr gut verständlich Dipl.-Ing. Arno Brüggemann (AKG Software Heitersheim) und der aus Münster vom Landesbetrieb Straße NRW angereiste Kollege Dipl.-Ing. (FH) Martin Brirup. Für alle Seminarteilnehmer sehr wichtig und für künftige Vermessungen von großer Bedeutung war das Referat von Herrn Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Hummel vom LGL Ref. 51 Karlsruhe zum Thema „Der neue Höhenbezugsrahmen DHHN2016“.

Die Seminarteilnehmer nutzten ausführlich auch die Frage- und Diskussionsrunde mit allen Referenten. Zum Schluss der Veranstaltung dankte der Landesvorsitzende des DVW, Herr Dipl.-Ing. Gerd Holzwarth, allen Referenten für ihre Fachbeiträge und brachte ebenso seine große Freude über die gute kollegiale Zusammenarbeit der am Seminarablauf beteiligten Verbände zum Ausdruck.

Die Veranstaltung schloss mit einem Stehempfang mit kleinem Imbiss, bei dem der fachliche und kollegiale Austausch reichlich gepflegt wurde.

Aufgrund der bereits erwähnten großen Nachfrage wird das Seminar nochmals neu beworben und  am 31. Januar 2018 mit denselben Referenten im DGB-Haus Stuttgart wiederholt.