Am 3. September besuchten 13 Berufskollegen des VDV Bezirks Osnabrück die H2-Pilotanlage in Lingen. Es war die erste Bezirksveranstaltung seit mehreren Jahren. Der Vorsitzende des Bezirks, Torsten Otte-Witte, begrüßte die Teilnehmenden und hob die Bedeutung solcher Fachveranstaltungen für den Wissenstransfer und den persönlichen Austausch innerhalb des Berufsstandes hervor. Beim Blick vom Dach der Anlage wurde deutlich, welch enorme Dimensionen dieses Projekt hat: Die Größe und Komplexität der Anlage hinterließen bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck.
Nach einer Einführung durch Vertreter der RWE erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Energiestandortes Lingen, der seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle für die Energieversorgung Deutschlands spielt. Heute steht der Standort zugleich beispielhaft für den Wandel der Energiewirtschaft und die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Energieversorgung. Besonderes Interesse galt der Baustelle des Projekts GET H₂ Nukleus, das derzeit auf dem Gelände des Gaskraftwerks Emsland realisiert wird. Im Rahmen des Projekts entsteht bis 2027 eine Elektrolyseanlage mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt. Die Anlage wird in drei Ausbaustufen umgesetzt und soll grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab produzieren. Dieser Wasserstoff wird künftig Unternehmen der Region für die Dekarbonisierung ihrer Produktionsprozesse zur Verfügung stehen und gilt als wichtiger Baustein für die Entwicklung einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in Deutschland.
Für die anwesenden Vermessungsingenieurinnen und Vermessungsingenieure waren dabei insbesondere die Anforderungen an die geodätische Betreuung solcher Großprojekte von Interesse. Die Vermessung ist als kleiner Teil in den gesamten Bauprozess eingebunden — ein Baustein unter vielen, der aber dennoch ein wichtiger Bestandteil ist. Von der Bestandsaufnahme über die baubegleitende Vermessung bis hin zur Dokumentation bildet die Geodäsie eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung moderner Energieinfrastruktur. Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie eng das eigene Fach mit aktuellen Zukunftsthemen wie Energiewende, Versorgungssicherheit und Wasserstofftechnologie verbunden ist.
Genau dieser Blick auf das große Ganze machte den Besuch so wertvoll: Man sieht, wo die eigene Arbeit andockt und wie sie sich in einen Ablauf einfügt, der von vielen Fachdisziplinen getragen wird. Die Führung über das Gelände gab einen guten Überblick über Stand und Perspektiven der Anlage und bot reichlich Gelegenheit für Rückfragen und den fachlichen Austausch untereinander.
Nach der längeren Pause soll es nun wieder regelmäßig Veranstaltungen im Bezirk Osnabrück geben. Ziel ist es, künftig feste Termine zu etablieren und damit den Austausch und die Gemeinschaft im Bezirk dauerhaft zu stärken. Anregungen und Ideen für künftige Veranstaltungen sind ausdrücklich willkommen — jede Rückmeldung hilft, das Programm an den Interessen der Kolleginnen und Kollegen auszurichten. Wer eine Idee hat, sei es für eine Betriebsbesichtigung, einen Fachvortrag oder ein zwangloses Treffen, möge sie gerne äußern.
Ein besonderer Dank gilt Thorsten Schweers für die Organisation der Führung sowie den Verantwortlichen der RWE für die informative Betreuung vor Ort. Ohne dieses Engagement wäre der Einblick in eines der Leuchtturmprojekte der Wasserstoffwirtschaft in der Region nicht möglich gewesen.
Torsten Otte-Witte